Ärzte Zeitung online, 21.04.2009

EU-Warnsystem: Mehr gefährliche Konsumgüter gemeldet

BRÜSSEL (dpa). Ohrenbetäubend klingelnde Spielzeughandys, mit Weichmachern vergiftete Schwimmreifen, kokelnde Heizöfen: Behörden und Verbraucherschützer in Europa haben 2008 deutlich mehr gefährliche Konsumgüter aus dem Verkehr gezogen als in den Vorjahren. 1866 unsichere Produkte wurden an das EU-Schnellwarnsystem RAPEX gemeldet, 16 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva am Montag in Brüssel mit.

Grund sei die steigende Wachsamkeit. Mit Abstand der größte Teil waren Produkte für Kinder, danach kamen Elektrogeräte, Kraftfahrzeuge und Kleidung.

Unter den Gefahrenprodukten waren Kinder-Kapuzenjacken mit Schnüren, mit denen sich die Kinder erwürgen können. Die Gefahr des Erstickens bargen Spielzeuge mit Kleinteilen, Feuerzeuge verteilten Elektroschocks und in Schuhen fand sich die giftige Chemikalie Dimethylformamid zum Schutz gegen Feuchtigkeit.

Mindestens 909 und damit 59 Prozent der beanstandeten Produkte kamen aus China. Da zehn Prozent der gemeldeten Waren unbekannter Herkunft sind, dürfte der Anteil sogar noch höher sein. 2007 habe er noch bei 52 Prozent gelegen, hieß es im RAPEX-Jahresbericht. Seitdem seien die Exporte in die EU gestiegen, die chinesischen Kontrolleure aber auch aktiver geworden. "Es gibt keine Anhaltspunkte, die auf eine sinkende Qualität von chinesischen Produkten schließen lassen."

Dennoch sei sie mit der zuständigen Behörde AQSIQ "nicht zufrieden", betonte Kuneva. AQSIQ sei nur 669 der Beanstandungen nachgegangen und davon seien nur in gut der Hälfte der Fälle Schritte wie ein Exportbann ergriffen worden. "Wir brauchen Produkte aus China, aber nicht auf Kosten der Sicherheit."

Ein Fünftel der beanstandeten Produkte stammte aus Europa selbst. Fünf Prozent kamen aus Deutschland. Damit rangierte die Bundesrepublik nach China auf Platz zwei. Mit 13 Prozent (205) lag Deutschland bei den Meldungen an RAPEX an erster Stelle, gefolgt von Spanien und der Slowakei. "Das heißt nicht, dass das Märkte mit gefährlicheren Produkten sind, sondern mit einer besseren Überwachung", sagte Kuneva. Im Falle Deutschlands - Europas größter Volkswirtschaft - sei es schlicht auch eine Frage des Volumens.

Angesichts der Wirtschaftskrise sprach Kuneva von "bedeutenden Herausforderungen", da einerseits die Verbraucher zu billigeren und damit potenziell unsichereren Waren griffen. Andererseits unterliege die öffentliche Hand Sparzwängen - mit möglicherweise weniger Kontrollen als Folge, machte die Bulgarin klar. "Sicherheit ist kein Luxus, der in Zeiten der Krise beiseite gelassen werden kann", forderte sie. Vertrauen sei heutzutage "die wichtigste Währung".

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