Ärzte Zeitung online, 05.05.2009

Umfrage: Psychische Probleme werden beim Hausarzt oft nicht thematisiert

GÜTERSLOH (dpa). Burnout, Depression oder Ängste: Solche psychischen Probleme bleiben bei Hausärzten einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung zufolge oft unentdeckt.

Das liege einerseits daran, dass vielen Patienten der Mut zur Offenheit beim Allgemeinmediziner fehle. Zum anderen fragten aber auch Hausärzte nicht ausreichend aktiv nach, teilte die Stiftung am Montag in Gütersloh mit. Gehen Patienten wegen derartiger Erkrankungen zum Hausarzt, wurde bei nur 8,4 Prozent eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Suchten die Betroffenen hingegen Spezialisten wie Psychotherapeuten auf, berichtete mehr als die Hälfte der Patienten (52,6 Prozent) von einer entsprechenden Diagnose.

Für die repräsentative Untersuchung im Rahmen des aktuellen Gesundheitsmonitors der Stiftung waren knapp 1500 Menschen befragt worden. Nur die Hälfte von ihnen gab an, psychische Beschwerden beim Hausarzt zu thematisieren: Wegen mangelnden Mutes sagten 68 Prozent. Ein knappes Drittel (30 Prozent) meinte aber auch, der Arzt "sei mit seinem Latein am Ende" gewesen. Jeder achte Patient bemängelte zudem, dass psychische Probleme an sich nicht ausreichend zur Sprache kämen.

Insgesamt gab gut ein Fünftel (21 Prozent) der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten wegen psychischer Probleme beim Arzt oder Psychotherapeuten gewesen zu sein. Die meisten (87 Prozent) bezeichneten ihren Hausarzt als ersten Ansprechpartner auch bei seelischen Problemen, 66 Prozent konsultieren in solchen Fällen sogar ausschließlich den Hausarzt.

Vor diesem Hintergrund seien ein "aktives Nachfragen" des Mediziners und eine systematische Diagnostik in der Hausarztpraxis besonders wichtig, hieß es.

www.bertelsmann-stiftung.de

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