Ärzte Zeitung, 10.06.2009

"Verrückt? Na und?" - Schulprojekt öffnet den Horizont

Kasseler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie bietet Prävention vor Ort an / "Aha"-Erlebnisse im Klassenraum

KASSEL (kaj). Der Eskalation seelischer Störungen vorbeugen - so will die Kasseler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ihren Einsatz im Klassenzimmer verstanden wissen.

"Wir können selbstverständlich nicht garantieren, dass wir einen Amoklauf verhindern", sagt Günter Paul, der Ärztliche Direktor, über die schulische Präventionsarbeit. Man könne aber vermitteln, dass es hilft, über psychische Probleme zu reden, sich zu öffnen. Und: "Dass es professionelle Hilfe gibt."

Seit Ende 2007 beteiligt sich die Klinik am Schulprojekt "Verrückt? Na und!", das Vorurteile abbauen und den Weg zu Hilfsangeboten ebnen soll. Mitarbeiterinnen besuchen dabei für jeweils einen Tag eine Klasse oder Jahrgangsstufe. Sie bilden Teams mit "Experten in eigener Sache", Menschen, die selbst psychische Krankheit erlebt haben.

Wer wer ist, erfahren die Schüler dabei erst nach Stunden der Diskussion und Zusammenarbeit. Der Aha-Effekt regt die Jugendlichen offenbar an, über eigene Probleme zu sprechen. Zu Anfang verschleierten Schüler ihre Erlebnisse oft als die von Freunden, erzählt Klinik-Mitarbeiterin Margot Gorissen. Am Ende des Tages gäben sie dann zu: "Das war ich."

Ursprünglich entwickelt wurde das Konzept für "Verrückt? Na und! vom Verein "Irrsinnig menschlich" aus Leipzig. Die Klinik für Psychiatrie der dortigen Universität hat das Projekt 2006 evaluiert. Die Ergebnisse werden in Kürze im "Journal of Health Education" veröffentlicht.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Lichtshow bei Konzerten bringt Hirn aus dem Takt

Die Lichteffekte bei Musikfestivals werden immer spektakulärer – und sind für Fotosensible nicht ungefährlich: Das Risiko für epileptische Anfälle ist dabei mehr als dreifach erhöht. mehr »

Ablehnung der Kasse – Widerspruch zwecklos?

2018 gab es bei der Unabhängigen Patientenberatung zwar insgesamt weniger Beratungen. Häufig gaben die Krankenkassen aber dazu einen Anlass. mehr »

Ärzte – als Partner der Industrie

Die forschenden Pharmaunternehmen binden unter anderem Ärzte in ihre Projekte ein. Was sie sich das im vergangenen Jahr haben kosten lassen, wurde jetzt veröffentlicht. mehr »