Ärzte Zeitung, 17.06.2009

Hoher Anteil von Migrantenkindern prägt die Pädiatrie

Tagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin erörtert besondere Gesundheitsprobleme der Patienten

MANNHEIM(ras). Der hohe Ausländeranteil unter pädiatrischen Patienten hat auch fachliche und soziale Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendmedizin.

Davon ist Professor Hansjosef Böhles aus Frankfurt überzeugt, Präsident der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die vom 3. bis 6. September in Mannheim stattfindet.

Rund vier Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben zumindest einen ausländischen Elternteil. Jedes vierte Neugeborene ist das Kind nicht-deutscher Eltern. In Mannheim wird daher das Thema "Migrantenmedizin" ein Schwerpunktthema der diesjährigen Jahrestagungen der DGKJ und auch der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) sein.

Den Kongress-Organisatoren ist das deshalb wichtig, weil bei ausländischen Kindern tatsächlich andere Gesundheitsprobleme auftreten als bei Kindern mit deutschen Eltern.

So gibt es beispielsweise besondere angeborene Stoffwechselerkrankungen, die vorwiegend bei Kindern aus der Türkei, aus dem Nahen und Fernen Osten und aus Marokko anzutreffen sind. Der Grund: die in diesen Regionen noch häufigen Verwandten-Ehen. Tuberkulose ist bei unter Fünfjährigen mit Migrationshintergrund fast achtmal so häufig wie bei deutschen Kleinkindern.

Die Kenntnis der kulturellen Besonderheiten und ihre Berücksichtigung bei der Behandlung habe entscheidenden Einfluss auf den Verlauf einer Therapie, so Böhles.

So könne eine mangelnde Compliance bei Migrantenkindern auch daran liegen, dass die Krankheit als schicksalshaft angesehen werde. Dann sei die kulturelle Kompetenz eines Kinder- und Jugendarztes besonders gefordert.

Lesen Sie dazu auch:
Ältere Migranten häufiger krank

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »