Ärzte Zeitung, 23.06.2009

Kommentar

Weit aus dem Fenster gelehnt

Von Raimund Schmid

Bei fast jedem Kongress, bei dem gesundheitliche Belange von Kindern und Jugendlichen im Fokus stehen, wird die große Bedeutung von Prävention herausgestellt. Dies war beim Kinder- und Jugend-Ärztetag in Berlin nicht anders. Erstaunlich war diesmal nur, wie weit sich Gesundheits-Staatssekretär Rolf Schwanitz aus dem Fenster lehnte.

Er sparte nicht mit Selbstkritik und forderte nachhaltig, primärpräventive Ansätze in der Früherkennung zu verankern. Dies ist bisher kaum der Fall, so dass Ärzte heute nicht in der Lage sind, Krankheiten zu verhindern. Trotz aller Vorsorgen können sie meist erst handeln, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Dann ist es aber häufig zu spät und auch kaum mehr zu verhindern, dass die Kostenlawine so richtig ins Rollen kommt.

Deshalb ist es längst überfällig, Ärzte mit standardisierten Fragebögen in die Lage zu versetzen, Krankheitsanzeichen so früh wie möglich zu erkennen. Doch diese Tätigkeit muss auch bezahlt werden. Deshalb sollten primärpräventive Ansätze fest in die Kindervorsorgen verankert werden. Die Aussagen von Staatssekretär Schwanitz zeigen: die Politik hat diese Misere erkannt. Aber wer kann schon garantieren, dass sie auch Konsequenzen zieht?

Lesen Sie dazu auch:
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