Ärzte Zeitung, 22.06.2009

Deutsche wünschen sich Arzt des Vertrauens

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich kontinuierliche Behandlung durch einen Arzt. Beim Thema Qualitätsmanagement scheiden sich dagegen die Geister. Gefragt wurde unter anderem danach, was beim Besuch einer Arztpraxis für Patienten von Bedeutung ist.

Von Thomas Hommel

Apotheken spielen bei der Beratung der Versicherten über Neuerungen im Gesundheitswesen nur eine Nebenrolle.

BERLIN. Das geht aus einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter mehr als 2000 gesetzlich und privat Versicherten im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Gefragt wurde unter anderem danach, was beim Besuch einer Arztpraxis von Bedeutung ist. 87 Prozent der Befragten stuften dabei die Kontinuität der Behandlung durch einen Arzt als "sehr wichtig" oder "wichtig" ein. Für 86 Prozent der Befragten spielte die Lage der Praxis in der Nähe eine ebenso große Rolle.

Foto: ISOK°-photography ©www.fotolia.de

Trotz zahlreicher Debatten um die Qualität der Versorgung - Stichwort Arzt-Navigator - sind die Deutschen beim Thema Qualitätsmanagement gespalten: 44 Prozent der Befragten halten Aushänge über die Qualitätssicherung in der Arztpraxis für "wichtig". Für elf Prozent spielt das Thema keine Rolle. 25 Prozent halten es für "weniger wichtig".

Mehrere Ärzte unter einem Dach zu haben, das ist für 56 Prozent der befragten Versicherten wichtig. Im Osten fällt die Begeisterung für Ärztehäuser, Gemeinschaftspraxen oder Medizinische Versorgungszentren (MVZ) deutlich höher aus als im Westen - was wohl in erster Linie damit zusammenhängt, dass die medizinische Versorgung in so genannten Polizentren zum DDR-Alltag gehörte. Hinsichtlich der hausärztlichen Versorgung bestätigt die Versichertenbefragung der KBV, dass Hausärzte weiterhin eine feste Größe in der ambulanten medizinischen Versorgung sind: 94 Prozent der Befragten geben an, dass sie einen Hausarzt haben.

Bei der Frage, von wem man sich am ehesten Informationen über aktuelle Veränderungen im Gesundheitswesen wünscht, rangiert der Arzt auf Platz zwei - gleich hinter der jeweiligen Krankenkasse. 64 Prozent der gesetzlichen Versicherten wünschen, dass sie von ihrer Kasse über Gesundheitsfonds, Hausarztverträge und mehr informiert werden, 45 Prozent würden diese Informationen am liebsten in der Arztpraxis einholen.

86 Prozent möchten eine Praxis gleich um die Ecke.

Erstaunlich: Deutlich mehr privat als gesetzlich Krankenversicherte wünschen sich, von staatlicher Seite - das heißt dem Bundesgesundheitsministerium -, über neueste Veränderungen informiert zu werden. Überraschend ist, dass die rund 21 000 Apotheken in den Augen der Bundesbürger nur eine Nebenrolle spielen, wenn es um Informationen über Neuerungen im Gesundheitswesen geht.

Ein schlechtes Zeugnis stellt die Mehrheit der Befragten auch der Gesundheitspolitik von Union und SPD aus: Jeder zweite Bundesbürger sieht laut Befragung deutliche Verschlechterungen durch die schwarz-rote Gesundheitsreform und den mit ihr umgesetzten Gesundheitsfonds.

Immerhin: Im Falle einer Erkrankung fühlen sich die meisten Deutschen gut aufgehoben: 77 der Befragten sprechen von einer "guten" oder "sehr guten" medizinischen Absicherung.

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