Ärzte Zeitung, 22.07.2009

Aids-Hilfe will weg von der Hilfe im Einzelfall

Aids-Patienten leben immer länger mit der Krankheit. Deshalb ist ein Umdenken bei der Versorgung erforderlich.

Von Friederike Krieger

DÜSSELDORF. Die Deutsche Aids-Stiftung setzt neue Prioritäten: Sie will in Zukunft verstärkt Projekte im Bereich des betreuten Wohnens fördern. Dagegen plant die Aidshilfe, Einzelhilfen zurückzufahren. Der medizinische Fortschritt mache diese Neuorientierung notwendig, sagt Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung. "Bis in das Jahr 1997 hinein galt Aids noch als Krankheit, die innerhalb kürzester Zeit zum Tode führt", erklärt er.

Der Förderschwerpunkt der Aids-Hilfe lag damals auf Einzelhilfen. "Es ging darum, letzte Wünsche zu erfüllen", sagt Heide. Projekte zur langfristigen Versorgung waren nicht nötig. Diese Situation hat sich drastisch geändert.

"Antiretrovirale Medikamente ermöglichen den Erkrankten zwar ein längeres Leben, doch die dauerhafte Einnahme führt häufig zu Nebenwirkungen und Begleitkrankheiten wie Depressionen, neurologische Störungen, Leber- und Nierenerkrankungen sowie Herzkreislaufbeschwerden", erklärt er.

Hinzu komme, dass die Betroffenen, die wegen ihrer Leiden nicht mehr arbeiten können, in finanzielle Not geraten. Damit einher gingen Ausgrenzung, soziale Isolation und Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags.

Mit Einzelhilfen könne die Aids-Stiftung diese Menschen nur unzureichend unterstützen. "Das Älterwerden von Menschen mit HIV und Aids stellt uns vor neue Herausforderungen, was Fragen der Betreuung und Pflege angeht", sagt Heide.

Reguläre Altersheime erscheinen für HIV-positive Menschen wenig geeignet, schon allein, weil sie deutlich jünger sind als die Mehrzahl der Pflegebedürftigen. Viele Betroffene verfügen auch nicht über familiäre Netze, die diese Pflege leisten könnten.

Die Aids-Hilfe fördert daher bereits zahlreiche Projekte des betreuten Wohnens. In Berlin, Essen und Koblenz hat sie Häuser eingerichtet, in denen sie Infizierten Hilfe bei der Bewältigung ihrer Begleiterkrankungen anbietet. Psychosoziale Beratungsangebote unterstützen die Bewohner bei der Planung und Gestaltung des Tagesablaufs, der Haushaltsführung und der Wiederaufnahme sozialer Beziehungen. Neuestes Projekt der Aids-Stiftung ist ein Wohnprojekt in Köln-Weidenpesch. Dort soll ein 450 Quadratmeter großes Haus mit neun Wohnungen entstehen. Die Grundsteinlegung ist vor wenigen Tagen bereits erfolgt.

Finanziert wurde das eine Million Euro teure Projekt mit Hilfe einer Kunstauktion zugunsten der Stiftung. Außer den eigenen Immobilien hat die Stiftung in den vergangenen zehn Jahren auch bestehende Wohnprojekte in anderen Städten mit insgesamt 564 000 Euro gefördert. Der Bedarf an solchen Möglichkeiten zum betreuten Wohnen sei groß, so Heide. Mittelfristig werden bundesweit rund 1000 Pflegeplätze für HIV-Infizierte benötigt.

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