Ärzte Zeitung online, 27.07.2009

Ulla Schmidt - gerät sie in Bedrängnis, schaltet sie schnell auf Offensive

BERLIN(dpa). Erst vor wenigen Wochen ist sie 60 Jahre alt geworden - nun rückt sie durch die Diskussionen um ihren in Spanien gestohlenen Dienstwagen wieder in den Mittelpunkt des Interesses: Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

Ulla Schmidt ist viel unterwegs. Die dienstälteste Gesundheitsministerin Europas kämpft an allen Fronten, hört sich oft Sorgen und Nöte von Pflegebedürftigen oder Patienten an oder wirbt für ihre Reformen. Pflegestützpunkte besucht sie ebenso regelmäßig wie Veranstaltungen in ihrem Wahlkreis Aachen oder Fachkonferenzen. Im September will sie erneut in den Bundestag gewählt werden.

Auch scharfe Worte zählen zum Standardrepertoire der Aachenerin. Ausgerechnet als die deutschen Praxisärzte nach all ihren Protesten saftige Zuwächse verkünden, hat Schmidt allerdings selbst mit heiklen Fragen zu tun - nach dem Einsatz ihres Dienstwagens in ihrem spanischen Urlaubsort. Schnell schaltet Schmidt auf Offensive.

Ihr rheinischer Tonfall, ihr manchmal strahlendes Lächeln, ihre Mischung aus lehrenden Ausführungen, lebensnahen Schilderungen und ironischen Wendungen können blitzschnell einer anderen, harten Schmidt weichen. Seit ihrem Amtsantritt hat Schmidt so alle Proteste von Ärzten und Klinikmitarbeitern, von Kassen und politischen Gegnern ebenso unbeschadet überstanden wie teils äußerst schlechte Popularitätswerte. Mit ihrer Mischung aus Charme, Bestimmtheit, Raffinesse und Fachwissen sowie einem gut geölten Ministeriumsapparat im Rücken wehrte sie Anfeindungen stets ab.

Politisch ist sie in der SPD fest verankert. Mit dem SPD-Ziel einer Bürgerversicherung ist ihr Name mittlerweile fest verbunden. Im Herbst will Schmidt erneut das Direktmandat im Wahlkreis 88 in Aachen holen. Ihr politischer Geburtstagswunsch sei es, "dass die SPD stärkste Partei wird", teilte sie zu ihrem 60. im Juni augenzwinkernd mit. Bei einer weiteren SPD-Mitregierung wäre es nicht unwahrscheinlich, dass sich Schmidt weiter an der Spitze des Gesundheitsministeriums an der Berliner Friedrichstraße hält.

Selbst in einem Frauenhaushalt aufgewachsen, lernte Schmidt als allein erziehende Mutter und als Lehrerin für Lernbehinderte sich durchzuboxen. Sie wurde Stadträtin in Aachen, Bundestagsabgeordnete, rot-grüne Rentenreformerin und setzte als Ministerin mit kommunistischer Vergangenheit Praxisgebühr und Zuzahlungen durch.

Lesen Sie dazu auch:
Und ewig regiert die Sonnenkönigin Ulla

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf diese Arzneien sollten Ärzte bei Hitze achten

Auf bis zu 40 Grad soll das Thermometer diese Woche klettern. Ein Risiko für viele Patienten – vor allem unter bestimmten Medikamenten. mehr »

Spahns Gesetze kommen bei Bürgern an

Fast zwei Drittel der Bundesbürger würden in dringlichen Fällen tatsächlich die Terminservicestelle der KVen nutzen, zeigt eine Befragung. Positives Feedback gibt es auch für die Personaluntergrenzen in den Kliniken. mehr »

Von Mitochondrien und Vulkanen

Nach dem Medizinstudium direkt ins Arztleben? Das wollte unsere Bloggerin Andia Mirbagheri nicht. Sie verbrachte einige Wochen in einem Zelllabor in Ecuador. mehr »