Ärzte Zeitung online, 12.08.2009

Vorfahrt für Drahtesel in den Städten

BERLIN (dpa). Umsteigen aufs Fahrrad oder mal wieder zu Fuß gehen - solche Appelle kommen jetzt verstärkt auch aus der Bundesregierung. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will kreative Kommunen, die das Fahrrad in ihre örtliche Verkehrsplanung verstärkt integrieren, mit Mitteln aus seinem Klimaschutzetat belohnen. Voraussetzung ist, sie stellen sich 2010 einem Wettbewerb, wie das Umweltressort am Dienstag ankündigte.

Den fünf Gewinner-Kommunen will der Minister Kampagnen mit Großflächenplakaten, Anzeigen sowie Kino- und Radiospots finanzieren, in denen für das Umsteigen aufs Fahrrad oder fürs Zufußgehen geworben wird.

Tags zuvor hatte gerade Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) einen "Modellversuch für innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme" gestartet. Nicht ganz dasselbe wie bei Gabriel. Aber auch hier sollen Kommunen angeregt werden, den öffentlichen Nahverkehr "in der Verknüpfung mit dem Fahrrad attraktiver zu machen". Für den öffentlichen Fahrradverleih stellt Tiefensee zehn Millionen Euro bereit.

"Radfahren ist gesund und hält fit - und es trägt zu einer besseren Lebensqualität vor allem in den Städten bei", stellte das Verkehrsministerium fest. Vor allem aber geht es um den Klimaschutz, rationales Verhalten der Verkehrsteilnehmer - und um Einsparungen durch nicht verbrauchten Sprit. Bei Gabriels Wettbewerb um die besten Angebote für Fahrradfahrer haben diejenigen Gewinnchancen, "die schon über ein gutes Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer verfügen".

Per Pedes und Pedale Autos überholen

Die Fakten, die das Umweltministerium jetzt zusammengefasst hat, sprechen für sich:

  • Der deutsche Verkehrssektor ist mit rund 160 Millionen Tonnen am jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland beteiligt. Das sind fast 20 Prozent der Gesamtemissionen.
  • Die Hälfte aller Autofahrten liegt unter sechs Kilometern Fahrstrecke. Wegen des überproportionalen Spritverbrauchs kann auf diesen Distanzen besonders viel Kohlendioxid (CO2) eingespart werden.
  • Bei einer Kurzstrecke von bis zu einem Kilometer "sind Fußgänger in der Stadt schneller unterwegs als vom Stau geplagte Autofahrer. Bei einer Distanz bis zu drei Kilometern wird das Auto noch vom Fahrrad überholt."
  • Durch eine Verdopplung der Fuß- und Radkilometer lassen sich in Deutschland mittelfristig fünf bis sechs Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
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