Ärzte Zeitung online, 18.08.2009

Mit exzessivem Computerspiel sinken Schulnoten

HANNOVER (ras). Computerspielabhängige Jungen weisen deutlich schlechtere Schulnoten in Deutsch, Sport, Geschichte und Mathematik auf. Zudem schwänzt diese Gruppe pro Halbjahr durchschnittlich 19 Stunden die Schule, nicht abhängige Jungen dagegen nur zehn Stunden.

Diese Daten hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) unter der Leitung von Professor Christian Pfeiffer ermittelt. Dafür wurden im Auftrag des Bundesinnenministeriums 15 000 Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse befragt.

Für besorgniserregend hält es Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, dass bereits 16 Prozent der 15-jährigen Jungen täglich mehr als 4,5 Stunden vor dem Computer sitzen.

Exzessiv Computer spielende Jugendliche liefen Gefahr, Schule, Beruf und Beziehungen zu vernachlässigen und in ihrer psychischen und sozialen Entwicklung zurückzubleiben. Daher, so Bätzing, "müssen wir Eltern und Lehrer unterstützen, eine Mediensucht im Frühstadium zu erkennen und wirksam zu verhindern".

Allerdings sind die Grenzen zwischen einem normalen Umgang mit neuen Medien und einem Suchtverhalten mit Kontrollverlust fließend. Daher sei es notwendig, dass Jugendliche, aber auch Eltern, Lehrer und Freunde, medienpädagogische Hilfsangebote erhalten. Zudem müsse die Suchtforschung in diesem Bereich ausgebaut werden.

Das KFN kommt in einem Teilergebnis der Studie zu dem Schluss, dass jeder fünfte Spieler von "World of Warcraft" abhängig oder abhängigkeitsgefährdet ist.

Lesen Sie auch:
Immer mehr Jugendliche fliehen in virtuelle Welten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »