Ärzte Zeitung online, 15.08.2009

Erstes Onkologie-Zentrum in Ostdeutschland

Zu den deutschlandweit zwölf zertifizierten Onkologischen Zentren gehört seit kurzem auch das Klinikum Magdeburg. Es ist das erste in den neuen Bundesländern.

Von Petra Zieler

Von seinem Hausarzt wurde Helmut Anders zur Magenspiegelung überwiesen. Dabei wurde ein Karzinom diagnostiziert. Nur wenige Tage später stellt sich der Rentner im Klinikum Magdeburg vor und wird anschließend Patient des Onkologischen Zentrums am Klinikum. Hier arbeiten Fachärzte des Brust-, Darm- und Gefäßzentrums am Hause gemeinsam mit Spezialisten des Lungenzentrums Lostau, des Hautzentrums der Universitätsklinik Magdeburg sowie Pathologen, Radiologen, Onkologen, niedergelassenen Ärzten, den Rehabilitationskliniken in Schönebeck und Kalbe/Milde Hand in Hand. "Vorgeschrieben ist, dass ein Zentrum mit zwölf Partnern kooperieren muss. Wir arbeiten mit 23 Partnern unterschiedlicher Fachbereiche zusammen", berichtet Dr. Erika Kettner, die das Zentrum leitet.

Das Zentrum kooperiert mit 23 Partnern

Von der umfassenden Kooperation profitieren die Patienten, weil die Spezialisten verschiedener Fachrichtungen Hand in Hand arbeiten und sich ergänzen. Ein Informationsverlust am Onkologischen Zentrum, zu denen mittlerweile vier ambulante Facharztpraxen gehören, wird von den Beteiligten nahezu ausgeschlossen. Patienten wie Helmut Anders spüren das. Nach einer Gastrektomie folgen Anschlusstherapien, Rehabilitation, Nachbehandlungen. Alle behandelnden Ärzte sind in die Therapie eingebunden. "Trotz der schweren Operation bin ich zuversichtlich. Dafür bin ich den Ärzten dankbar", sagt Anders.

Lange Zeit bereits macht sich Erika Kettner, die auch Chefärztin für Hämatologie und Onkologie am Magdeburger Klinikum ist, für ein fachübergreifendes Miteinander bei der Behandlung von Tumorpatienten stark. Der erste Schritt in diese Richtung gelang mit Gründung des VIGO (Versorgungszentrum interdisziplinäre gastroenterologische Onkologie) vor einigen Jahren. Das Konzept ging auf, weitere Partner folgten. Der Weg zum Onkologischen Zentrum, dessen Kernkompetenz darin liegt, integrierende Behandlungskonzepte für alle Krebserkrankungen zu gewährleisten, war geebnet. Nur geballtes Fachwissen aller an Diagnose und Therapie beteiligten Mediziner, Therapeuten und Pfleger garantiert nach Ansicht der Chefärztin eine qualifizierte, umfassende und kontinuierliche Behandlung der Tumorpatienten.

Dazu gehören außer der Verzahnung zwischen ambulanten und stationären Bereichen auch kontinuierliche Fortbildungen auf dem Gebiet Hämatologie/Onkologie und die Teilnahme an Studien. "Mit derzeit rund 50 laufenden Studien bringen wir uns in die intensiven onkologischen und hämatologischen Forschungen ein", sagt Kettner. Auch das zahle sich für die Patienten aus.

Study Nurses mussten sich besonders qualifizieren

Derzeit beschäftigt das Klinikum zwei Study Nurses - die Krankenschwestern Heike Kühnberg und Manuela Dawid, die sich eigens für diesen Job qualifizieren und zertifizieren lassen mussten.

Heute sind sie für Organisation, Dokumentation und Koordination aller laufenden Studien verantwortlich und betreuen die daran beteiligten Patienten. "Das sind derzeit knapp 200 Frauen und Männer, hinzu kommen Studienteilnehmer in der Nachsorge”, so Heike Kühnberg. Über ihre Arbeit sind die Study nurses mit der ganzen Welt verbunden. Das Zentrum beteiligt sich unter anderem an Studien in den USA, Italien oder Irland.

Netzwerk mit umliegenden Praxen und Kliniken geplant

Geht es nach dem Willen der langjährigen Chefärztin, wird sich das Kompetenzzentrum noch mehr zum Servicezentrum für alle Haus- und Fachärzte sowie Krankenhäuser mit onkologischem Schwerpunkt entwickeln. Ein Netzwerk mit umliegenden Krankenhäusern und Praxen soll aufgebaut werden, die Zusammenarbeit mit dem Krebsregister des Landes wird intensiviert.

"Sehr hilfreich für unsere Arbeit wäre ein Vergleich zwischen Patienten, die in einem onkologischen Zentrum und jenen, die nicht in einem solchen Zentrum behandelt worden sind. Auch, um die Notwendigkeit dieser Zentren zu unterstreichen”, sagt Erika Kettner und gibt sogleich die Marschrichtung für das nächste selbstgesteckte Ziel an.

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