Ärzte Zeitung online, 24.08.2009

Göttinger Medizinstudenten empört über Ungleichbehandlung

GÖTTINGEN (pid). Eigentlich war es eine gute Nachricht: Seit dem 17. August zahlt die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) Medizinstudenten, die ihr Praktisches Jahr (PJ) absolvieren, eine monatliche Ausbildungsvergütung von 400 Euro. Damit wurde eine seit langem erhobene Forderung erfüllt. Trotzdem gibt es weiterhin viele Proteste. Grund: Diejenigen Medizinstudenten, die bereits vorher ihr Praktisches Jahr begonnen haben, gehen weiterhin leer aus.

Der Vorstand habe sich für eine Stichtagsregelung entschieden, sagte UMG-Sprecher Stefan Weller. Dies bedeute, dass die Studierenden, die vor dem 17. August ihr Praktisches Jahr aufgenommen hätten, von der Neuregelung unberührt blieben.

Dies sorgt bei den Betroffenen für Empörung. "Damit arbeiten nun PJ-ler nebeneinander auf den Stationen, die genau die gleichen Aufgaben erfüllen. Der eine bekommt 400 Euro, der andere nichts", empört sich eine Medizinstudentin. Die PJ-ler sorgten für eine erhebliche Entlastung der Assistenzärzte. Viele Studenten, die im Februar mit dem PJ begonnen haben, hätten fest mit einer Vergütung gerechnet. Dass sie nun weiterhin keine Entlohnung bekommen sollen, belaste vor allem diejenigen, die ihr Studium selbst finanzieren müssten. Bei einer Arbeitszeit von wöchentlich 40 Stunden und mehr sei eine Nebentätigkeit kaum möglich.

Dieser soziale Aspekt spielte auch bei der Entscheidung des Vorstands, künftig den PJ-lern eine Vergütung zu zahlen, eine Rolle. "Wir wollen damit auch den Studierenden, die wirtschaftlich nicht so gut dastehen und im Rahmen ihres Studiums auf Nebenerwerb angewiesen sind, ein qualitativ gutes und auf Ausbildung ausgerichtetes Praktisches Jahr ermöglichen", sagt UMG-Sprecher Weller. Von diesen Erwägungen profitieren allerdings nur die neuen PJ-ler. Für die anderen bleibt nur der Frust: "Dabei eine adäquate Arbeitsmotivation an den Tag zu legen, fällt extrem schwer", meint eine Studentin.

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