Ärzte Zeitung online, 27.08.2009

Kandidatur mit viel Mut: Arzt aus Indien tritt bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen an

KÖLN (akr). In der Welt zu Hause und in Ostwestfalen daheim - mit diesem Motto könnte der niedergelassene Arzt Dr. Anil Singhal aus Delbrück im Kreis Paderborn für sich werben. Der Kosmopolit kandidiert in der ostwestfälischen Flächengemeinde bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen am 30. August für das Amt des Bürgermeisters.

Kandidatur mit viel Mut: Arzt aus Indien tritt bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen an

Dr. Anil Singhal.

Foto: privat

"Meine Kandidatur hat eine Vorbildfunktion", sagt der Medziner mit Facharzttiteln für Allgemeinmedizin und Gynäkologie. Und das gleich in zweifacher Weise. Singhal wünscht sich, dass sich mehr niedergelassene Kollegen vor Ort einmischen: "Ärzte sind eine Bereicherung für die Kommunalpolitik." Durch den ständigen und engen Kontakt mit Patienten sind Mediziner mit den Problemen der Bürger vertraut, ist er überzeugt. Außerdem sieht Singhal es als Signal für eine gelungene Integration, dass er als gebürtiger Inder bei der Wahl antritt.

Der Sohn eines Rechtsanwaltsehepaars aus Neu Delhi lebt seit seiner Jugend in Deutschland und studierte in Heidelberg Medizin. Singhal hat sich 1979 in Delbrück niedergelassen. Die Stadt besteht aus einem Zentrum und zehn weiteren Ortsteilen und hat insgesamt 30 000 Einwohner. Viele Bürger kennen den Arzt aus seiner Praxis oder durch sein Engagement etwa für Kinder in Indien oder ein geeintes Europa. Für seine Aktivitäten bekam der Arzt vor zehn Jahren das Bundesverdienstkreuz. Auch mit der Berufspolitik ist er als ehemaliges Mitglied der Kammerversammlung Westfalen-Lippe und durch verschiedene Funktionen vertraut, etwa in der Weiterbildung oder im Hausärzteverband.

Der Arzt denkt global und hat alle Kontinente bereist. Dabei hat er nicht den Blick für die Probleme in seiner unmittelbaren Umgebung verloren. In Delbrück will er getreu seiner Grundwerte Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität etwas in Bewegung bringen. Dabei denkt er nicht nur in großen Zügen, sondern auch sehr konkret. Er will unter anderem für mehr Kultur, für Freizeitangebote für Jugendliche und für weniger Verkehr sorgen.

Die Kandidatur ist mutig. Der bisherige Amtsinhaber von der CDU tritt zwar nicht mehr an. Doch sein kandidierender Parteifreund hat gute Chancen. Denn die politische Macht der Stadt ist fest in der Hand der Christdemokraten. Im derzeitigen Stadtrat haben sie 27 Sitze, die SPD fünf, FDP und eine grüne Gruppe jeweils drei. FDP und SPD haben keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt, der Arzt hofft auf die Stimmen ihrer Anhänger. "Seit Jahrzehnten herrscht in der Stadt Stillstand", sagt Singhal. "Seit Generationen stellt die CDU den Bürgermeister." Wahlkämpfe sind ihm nicht fremd. Der Parteilose hat bereits in den 1980er Jahren für die Liberalen kandidiert. Bei seinem Wahlkampf jetzt setzt er weniger auf Plakate als auf seine Überzeugungskraft. "Ich halte viel von persönlichen Gesprächen", sagt er.

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