Ärzte Zeitung online, 30.08.2009

Schweinegrippe: Massenimpfungen von Oktober bis Dezember?

BERLIN (dpa). Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, Christine Lieberknecht (CDU), strebt einen Abschluss der Massenimpfung gegen Schweinegrippe noch in diesem Jahr an. "Die Impfung wird von Oktober bis Dezember erfolgen."

Schweinegrippe: Massenimpfungen von Oktober bis Dezember?

Eines ist klar: Demnächst startet die Impfung gegen Schweinegrippe.

Foto: dpa / Bildfunk

"Es werden alle Bundesbürger, die das wollen, geimpft werden können. Das ist unumstritten zwischen Bund und Ländern", sagte die Thüringer Gesundheitsministerin zur dpa in Berlin. Dies könne allerdings nur Schritt für Schritt gehen. Die Gesundheitsminister wollen in der zweiten Septemberwoche den Weg ebnen für eine Impfung all derjenigen, die sich schützen wollen, aber nicht zu bevorzugten Risikogruppen gehören.

Sachsen lehnt die Finanzierung der Massenimpfung gegen die Schweinegrippe durch die Länder ab. "Die Kosten soll der Bund übernehmen", sagte Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU) der dpa in Dresden. Der Bund habe "die Länder aufgefordert, für 80 Prozent der Bürger zu bestellen", begründete Clauß ihre Haltung. "Die Gesundheitsministerkonferenz hatte für 30 Prozent gevotet und so auch bestellt." Auf dieser Grundlage seien die Verträge mit den Pharmaherstellern gemacht worden.

Lieberknecht sieht trotz der noch offenen Finanzierung der weitergehenden Massenimpfung die bisher größte Impfaktion Deutschlands nicht in Gefahr. "Wir sind sehr zuversichtlich, wenn es um die Gesundheit der Bürger geht, dass alle Fragen einvernehmlich und ohne große Diskussion geklärt werden können", sagte Lieberknecht.

Die Ressortchefs wollen auch auf die Empfehlungen von Experten der Ständigen Impfkommission STIKO warten. "Wir wollen uns vor der nächsten Bestellung auf den neuesten wissenschaftlichen Stand bringen." Dies sei wichtig, weil zum Beispiel die Impfung von Schwangeren unter Medizinern umstritten sei.

Sobald der Impfschutz voraussichtlich Anfang Oktober bereitsteht, sollen zunächst chronisch Kranke, Schwangere, medizinisches Personal sowie Polizisten und Feuerwehrleute geimpft werden. Die Kosten für die Impfung von bis zu 35 Millionen Menschen übernehmen die Krankenkassen.

Für diejenigen, die sich darüber hinaus impfen lassen wollen, bezahlen das ebenfalls zunächst die Krankenkassen, die diese Kosten aber aus Steuern erstattet bekommen. Dabei ist die Aufteilung zwischen Bund und Ländern noch strittig. Insgesamt könnten sich die Kosten auf bis zu eine Milliarde Euro summieren. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) rechnet mit bis zu 64 Millionen Menschen, die sich insgesamt einen Schutz verschaffen wollen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Obwohl er querschnittsgelähmt ist, konnte ein Mann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »