Ärzte Zeitung online, 04.09.2009

Hilfe für Analphabeten zur Bundestagswahl

MÜNCHEN/BONN (dpa). Hunderttausende wahlberechtigte Analphabeten sind nach Angaben des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) von der Bundestagswahl ausgeschlossen. Ihr Handicap mache für geschätzte 750 000 Bürger ein Entziffern des Wahlscheins unmöglich, teilte der Verband am Freitag in Bonn mit.

"Man stelle sich vor: Die Einwohner einer Großstadt können nicht wählen, weil sie nicht wissen, wie sie es anstellen sollen!", sagte die ehemalige Bundestagspräsidentin und DVV-Präsidentin Rita Süssmuth. Auf der Internetseite www.ich-will-wählen-gehen.de bieten die Volkshochschulen deshalb für Analphabeten vertonte Übungen an, teilte der Bayerische Volkshochschulverband (bvv) am Freitag in München mit. Damit sollen sie zum Beispiel lernen können, wie man Unterlagen für die Briefwahl beantragt.

In Deutschland leben schätzungsweise vier Millionen Menschen, die unzureichend lesen und schreiben können. Nach Schätzungen des DVV dürften deshalb neben den rund 750 000 Analphabeten mehr als drei Millionen Wähler deutliche Schwierigkeiten mit dem Urnengang haben. Diese sogenannten "funktionalen Analphabeten" seien Erwachsene, die trotz Schulbildung nicht ausreichend lesen und schreiben könnten, erläuterte der DVV. Die meisten von ihnen "schmuggelten" sich mit Tricks durch den Alltag und blieben unerkannt. Nach Angaben des DVV ist demnach "eine von 15 Personen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis ein Analphabet".

Für die Betroffenen sei die Briefwahl eine gute Möglichkeit, an der Wahl teilzunehmen, empfiehlt der Verband. Beim Beantragen und Ausfüllen der Unterlagen leisteten alle Volkshochschulen "unbürokratisch, schnell und natürlich kostenlos Unterstützung", versprach der DVV-Vorsitzende Ernst Dieter Rossmann. Auch sei es möglich, dass eine Vertrauensperson stellvertretend im Wahlbüro die Kreuzchen mache - allerdings nur ausgestattet mit einer eidesstattlichen Versicherung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »