Ärzte Zeitung, 15.10.2009

Kommentar

Abgeordnete auf Abwegen

Von Bülent Erdogan

In den Bundestagsfraktionen von Union und FDP rumort es: Hinter vorgehaltener Hand machen Abgeordnete Front gegen eine Mitgliedschaft des neuen Abgeordneten Rudolf Henke (CDU) im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags. Ein Mann, der Vorsitzender des Marburger Bundes ist sowie im Vorstand der Bundesärztekammer sitzt, sei als Gesundheitspolitiker nicht glaubwürdig, lautet die merkwürdige Begründung.

Mit der klandestin losgetretenen Debatte ist eines schon erreicht: Als "U-Boot" zur Durchsetzung rücksichtsloser Sonderinteressen der Klinikärzte dürfte Henke nicht mehr taugen. Mehr Transparenz geht nun wirklich nicht. Damit ist den Kritikern aber das wichtigste Argument gegen eine Mitgliedschaft Henkes im Ausschuss genommen.

Bliebe also noch die Frage, ob Henke beides zeitlich miteinander verbinden kann, also gleichzeitig Abgeordneter und Verbandsvertreter zu sein? Henke wäre jedenfalls nicht der erste Abgeordnete, der außer seinem Mandat noch anderen Aufgaben nachginge. Der Parlamentarismus jedenfalls lebt gerade vom Interessenausgleich der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen. Diesen Respekt sollte man auch Henke und den Ärzten entgegenbringen.

Lesen Sie dazu auch:
MB-Chef will in der Gesundheitspolitik mitmischen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »