Ärzte Zeitung, 29.10.2009

Gute Ratschläge für einen knallharten Job

Der neue Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat einen der härtesten Posten in der schwarz-gelben Regierung übernommen. Kaum jemand weiß das besser als Vorgängerin Ulla Schmidt. Am Donnerstag übergab sie ihrem Nachfolger das schwierige Amt.

Von Thomas Hommel

Gute Ratschläge für einen knallharten Job

Mal sehen, ob der es besser kann? Ulla Schmidt (SPD) übergibt die Amtsgeschäfte im Gesundheitsministerium an Philipp Rösler (FDP).

Foto: Elke Hinkelbein

BERLIN. Wie viele Tränen an diesem Donnerstagmorgen im hell erleuchteten Atrium des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) im Berliner Stadtbezirk Mitte vergossen werden, ist nicht dokumentiert. Aber das muss es auch nicht. Man merkt trotzdem, dass der Termin, zu dem das BMG geladen hat, ein besonderer, weil hochemotionaler ist: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) übernimmt von Amtsvorgängerin Ulla Schmidt (SPD) offiziell das bei den sensiblen Themen Gesundheit und Pflege federführende Bundesministerium.

Bereits Anfang dieser Woche hatte Rösler sein neues Büro im sechsten Stock des Ministeriums in Berlin kurz inspizieren können. Jetzt zieht er dort fest ein. Als jüngster Bundesgesundheitsminister (36) und erster FDP-Politiker in diesem Amt.

Ein Amt, das Vorgängerin Ulla Schmidt fast neun Jahre inne gehabt hat. Anfühlen, sagt Schmidt mit Tränen in den Augen, würde sich diese Zeit mitunter "wie 18, vielleicht auch 27 Jahre". Schöne, aber auch harte Jahre seien es gewesen, fügt sie hinzu. Schön, weil sie sich in diesem Ministerium "aufgehoben" gefühlt und zu jeder Zeit auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe verlassen können. Harte Zeiten seien es gewesen, weil nirgendwo sonst im politischen Betrieb mehr die Fetzen flögen und mehr Lobbyisten unterwegs seien als auf dem stark verminten Feld der Gesundheitspolitik.

"Das Gesundheitsministerium ist wahrscheinlich das Ministerium, wo mehr als in jedem anderen Politikfeld jeder einzelne Mitarbeiter mit haftbar gemacht wird dafür, ob der Arzt eine rote oder eine blaue Pille verordnet hat - oder keine", weiß Schmidt. An diesem Umstand werde sich auch in Zukunft nichts ändern. Auch die "Neuen" im Ministerium würden dies schon bald merken. Soll heißen: Heute noch gibt es Blumen, Glückwunschschreiben und Sekt. Schon bald aber wird es böse Statements der Ärzte, Apotheker und Kliniken hageln.

Schmidt will es bei diesem einen Hinweis nicht bewenden belassen. Als alter Hase im Politikbetrieb hat sie noch mehr Tipps für die Neulinge auf Lager. "Es gibt den Big Bang in der Gesundheitspolitik nicht wie bei einer Steuerreform, bei der man dann jahrelang Ruhe hat", sagt sie in einem leicht pädagogischen Unterton. Reine Illusion sei sie, die eine große Reform, die sämtliche Fragen im komplexen Gesundheitssystem auf einmal löst. "Wenn es sie gebe, Herr Minister Rösler, hätten die Mitarbeiter im Ministerium sie schon längst aufgeschrieben."

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