Ärzte Zeitung online, 05.11.2009

Experte: Drogenhändler werden professioneller

BRÜSSEL (dpa). Drogenhändler in Europa werden immer "professioneller" und reagieren immer schneller auf Verbote oder Kontrollen. "In dieser Geschwindigkeit und dieser professionellen Art des Marketings war das noch nie da", sagte der Leiter der EU-Drogenbeobachtungsstelle, Wolfgang Götz, am Donnerstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Drogenhändler reagierten auf gesetzliche Hindernisse umgehend mit neu kreierten Substanzen und künstlichen Drogen. "Die Hersteller schauen: Welche Marketingstrategien fahren große Unternehmen und machen dann das gleiche bei illegalen Drogen. Vom Marketingansatz her ist das etwas völlig Neues."

Mindestens 115 Internet-Shops in 17 europäischen Ländern verkaufen die Suchtmittel. Typischerweise lassen europäische Händler die Substanzen in - zumeist asiatischen - Billiglohnländern herstellen, wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Drogenbeobachtungsstelle hervorgeht.

So seien nach dem Verbot der Modedroge "Spice" in einigen Ländern schnell "enorme Alternativen" angeboten worden. Das als Räucherstäbchen verkaufte "Spice" enthält künstlich hergestellte Cannabinoide, die stärker und aggressiver als Cannabis wirken. In Deutschland ist die Modedroge erst seit dieser Woche endgültig gesetzlich verboten.

Bei der Vermarktung der neuen, künstlichen Drogen zeigten sich die Händler sehr "innovativ", sagte Götz. Sie suchten sich beispielsweise ganz bewusst mit den Cannabis-Nutzern die größte Drogen-Zielgruppe. Gleichzeitig wählten sie einen gut klingenden Namen und eine schöne Verpackung für ihr Produkt. "Das haben wir bisher noch nicht gekannt."

Die zunehmende Flexibilität der Drogenhersteller stufte Götz als "gefährlich" ein. Die spontan neu gemischten Drogen seien in der Regel gänzlich unerforscht. "Wir wissen nichts über die Erfahrung, nichts über die Dosierung." Es stelle sich zudem die Frage, welche Substanzen "morgen" auf den Markt kommen. "Synthetisches Heroin? Dann wird es wirklich gefährlich."

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