Ärzte Zeitung, 02.12.2009

Experte übt Kritik an Diabetes-Therapie

Diabetologe prangert "Masseninsulinisierung" an

BERLIN (ble). Nach Ansicht des Düsseldorfer Diabetologen Professor Stephan Martin ist die Behandlung der Typ-2-Diabetiker in Deutschland derzeit einseitig auf die Arzneimitteltherapie mit Insulin ausgerichtet.

Nicht-medikamentöse Therapieoptionen wie eine Ernährungsumstellung würden zurzeit gleich zugunsten einer medikamentösen Einstellung mit Insulin übersprungen, sagte der Ärztliche Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums des Sana-Krankenhauses Gerresheim. Diese Verengung der Therapieoptionen bedrohe in den kommenden Jahren jedoch die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems in Deutschland, so der Mediziner auf dem Nationalen Workshop Diabetes-Versorgung in Berlin.

Die strukturierten Behandlungsprogramme, in die über drei Millionen Diabetiker eingeschrieben sind, haben nach Ansicht Martins in erster Linie zu einer "Masseninsulinisierung der Bevölkerung" geführt. Die Fallpauschalen an den Kliniken sorgten wiederum dafür, dass Patienten aus monetären Gründen möglichst schnell und damit oft schlecht medikamentös eingestellt entlassen würden, so Martin. Für die kommenden Jahre erwartet er einen weiteren Kompetenzverlust der Kliniken sowie gravierende Nachwuchsprobleme in den Schwerpunktpraxen. Martin fordert daher neue, vernetzte ambulante und stationäre Versorgungsstrukturen.

Der Geschäftsführer des Zentralinstituts von KBV und KVen, Dr. Dominik Graf von Stillfried, mahnte verstärkte Anstrengungen bei der Versorgung von Patienten mit Fußläsionen an.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Warum ein Blinddarm auch nach der Op noch Ärger macht

Fälle wiederkehrender Appendizitis nach Appendektomie sind rar. Doch es sind offenbar sogar mehrere Rezidive möglich, wie ein Fall aus den USA zeigt. mehr »

CDU erwägt höhere GKV-Vergütung

Offiziell haben die Koalitionsverhandlungen zwar noch nicht begonnen. Doch: Die Union gibt bereits erste zarte Signale auf einen möglichen Kompromiss beim Ärztehonorar - inklusive einem Ende der Budgetierung. mehr »

Das sind die neuen Paul Ehrlich-Preisträger

Die Paul-Ehrlich-Stiftung ehrt dieses Jahr Forscher für ihre Arbeiten zum Tumor-Nekrose-Faktor mit ihrem mit 120.000 Euro dotierten Preis. Außerdem erkennen sie die Leistung eines Biochemikers zur Erforschung verschiedener Fettzelltypen an. mehr »