Ärzte Zeitung online, 04.12.2009
 

Köhler: Bedarfsplanung gemeinsam mit Kliniken und Ländern

Paradigmenwechsel: Ambulante und stationäre ärztliche Versorgung werden verzahnt

BERLIN (HL). Die Zulassung von Vertragsärzten soll in Zukunft viel rigider gestaltet und gemeinsam mit Krankenhäusern, der Landespolitik und Patientenvertretern gesteuert werden. In der Fläche werde es nicht mehr in jedem Dorf einen Hausarzt und in jeder Stadt Fachärzte geben, sagte Köhler der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe).

Der Vorstoß des KBV-Vorsitzenden korrespondiert mit den Plänen der Bundesregierung, wie sie im Koalitionsvertrag beschrieben sind. Um Unterversorgung zu vermeiden, wird danach angestrebt, die Landes- und Regionalpolitik mit ihren Möglichkeiten stärker in die ärztliche Versorgung einzubeziehen.

Bislang liegt die Bedarfsplanung in der Hand der gemeinsamen Zulassungsgremien von KVen und Krankenkassen auf Landesebene. Dabei wird die ambulante Versorgung isoliert betrachtet. Zu keiner Zeit waren die zur Verfügung stehenden Steuerungsinstrumente zielgerecht. Dem Überangebot von Ärzten und Psychotherapeuten in Ballungsregionen und dabei vor allem in wohlhabenden Gebieten steht wachsende Unterversorgung in ländlichen Regionen, aber auch den Armutsbezirken der Metropolen wie Berlin, Hamburg und München gegenüber.

Der Vorstoß von Köhler läuft auf eine gemeinsame Bedarfsplanung für die ärztliche Versorgung in den Vertragsarztpraxen und den Krankenhäusern hinaus. Künftig können sich Vertragsärzte nur noch dort niederlassen, wo ihnen der Zulassungsausschuss eine freie Stelle anbietet. Dabei wird im Unterschied zu jetzt die vorhandene Facharztstruktur in Krankenhäusern berücksichtigt. Doppelte Facharztschienen in der stationären und ambulanten Versorgung sollen so vermieden werden. Bislang war insbesondere von niedergelassenen Fachärzten geleugnet worden, dass es dies überhaupt gibt.

Erstmals gesteht der KBV-Vorsitzende ein, dass die flächendeckende Versorgung vor allem auf dem Land spürbare Lücken bekommt. Noch vor wenigen Jahren fehlte dazu der Mut. Köhler schlägt die Errichtung von Arztstationen in ländlichen Regionen vor. Dort sollten Allgemeinärzte und bestimmte Fachärzte tageweise praktizieren. Ähnliche Ideen hatte bereits der Sachverständigenrat in seinem diesjährigen Gutachten entwickelt. Die Ärzte könnten in einem Medizinischen Versorgungszentrum angestellt sein, deren Träger auch Kassenärztliche Vereinigungen sein können.

Erneut kündigte Köhler eine Honorarreform an. Statt der heute 3000 EBM-Positionen soll es nur noch vier Stellgrößen für die Honorarberechnung jeder Fachgruppe geben: eine Zeitvorgabe je Behandlung, Praxiskosten, Behandlungsbedarf und Qualität. Eine Höchstarbeitszeitmenge soll die abrechenbare Fallmenge begrenzen.

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