Ärzte Zeitung online, 23.12.2009

Tafeln fordern von Regierung Armutsstrategie

BERLIN (dpa). Mit Blick auf die steigende Zahl von Menschen, die mit Lebensmittelspenden unterstützt werden, fordert der Bundesverband Deutsche Tafel von der Bundesregierung eine Strategie gegen Armut. "Die Daseinsvorsorge muss Staatsaufgabe bleiben", sagte der Verbandsvorsitzende Gerd Häuser in Berlin.

Man dürfe sich nicht dauerhaft auf Einrichtungen wie die mittlerweile 861 Armen-Tafeln verlassen. Bei ihnen bekommen pro Tag mehr als eine Million Menschen Lebensmittelspenden, wie Häuser zum Weihnachtsfest bilanzierte.

"Die Zahl der Empfänger ist in diesem Jahr noch mal um zehn Prozent gestiegen, und es wurden weitere 60 Tafeln eingerichtet." Durch die Wirtschaftskrise würden aber die Supermärkte, die überschüssige Lebensmittel an Tafeln abgeben, enger kalkulieren. Auch die Altersarmut steige rasch an, betonte Häuser. Im Koalitionsvertrag von Union und FDP bleibe unklar, wie man die steigende Armut strukturell bekämpfen wolle - zumal die Lage der Haushalte dramatisch sei.

"Der Bedarf erhöht sich immer weiter", sagte der 61-Jährige zur dpa. Für die ehrenamtlichen Helfer der Tafeln sei es aber schwerer geworden, zusätzliche Lebensmittelspender zu gewinnen. "Ich sehe, dass es durch Hartz IV und die schwierige wirtschaftliche Lage immer mehr Zulauf gibt. Zu den Tafeln kommen aber auch zunehmend Menschen, die arbeiten, von ihrem Einkommen aber nicht leben können, darunter viele Alleinerziehende mit ihren Kindern."

1993 war in Berlin nach amerikanischem Vorbild die erste Tafel gegründet worden. Die bundesweit über 40 000 ehrenamtlichen Helfer sammeln bei Herstellern, Supermärkten und kleinen Einzelhändlern qualitativ einwandfreie, aber überzählige Lebensmittel ein. Diese werden kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen verteilt - sei es in sozialen Einrichtungen oder an Lebensmittel-Ausgabestellen.

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