Ärzte Zeitung online, 23.12.2009

Massai tötet sich aus Protest gegen Zwangsbeschneidung seiner Tochter

NAIROBI (dpa). Aus Protest gegen die Zwangsbeschneidung seiner zwölfjährigen Tochter hat sich ein 55 Jahre alter kenianischer Familienvater selbst getötet. Die Zeitung "Daily Nation" berichtete am Mittwoch, die Dorfältesten hätten die Beschneidung des Mädchens angeordnet, obwohl der Vater die Genitalverstümmelung abgelehnt hatte.

Er hatte die Zwölfjährige zu Verwandten geschickt, damit sie zum Zeitpunkt der jährlichen Beschneidungszeremonie nicht zu Hause war. "Niemand hatte einen Verdacht, als er ein Seil nahm und in Richtung Viehgehege ging", sagte der Bruder des Mannes dem Blatt. Der Familienvater hatte der Dorfgemeinschaft mit einer "Lektion" gedroht, sollte eines seiner Kinder gegen seinen Willen beschnitten werden.

Der siebenfache Vater gehörte zur Volksgruppe der Massai, bei denen die Beschneidung zehn- bis 13-jähriger Mädchen den Übergang in die Welt der Frauen markiert. Jedes Jahr fliehen Hunderte Mädchen in Kirchen und Schulen, um dem Ritual zu entkommen. In den vergangenen Jahren haben Menschenrechtsgruppen zusammen mit Stammesgemeinschaften Alternativriten erarbeitet, um den Mädchen die gefährliche und schmerzhafte Verstümmelung zu ersparen. Doch nach wie vor bestehen viele Eltern und Stammesälteste auf der Einhaltung der Tradition, bei der den Mädchen Schamlippen und Klitoris mit Rasierklingen oder Messern entfernt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »