Ärzte Zeitung online, 27.01.2010

In Sachsen-Anhalt ist die Suizidrate in Deutschland am niedrigsten

LEIPZIG/BERLIN (eb). Die Zahl der Suizide ist in den letzten drei Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Die Regionen mit den höchsten Suizidraten liegen in Sachsen und Bayern. Das belegt die aktuelle Deutschlandkarte, die das Leibniz-Institut für Länderkunde jetzt veröffentlicht hat.

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Suizide nach Kreisen (Mittelwert der Jahre 2005-2007). © IfL

Die Zahl der Suizide hat sich in Deutschland seit 1980 mehr als halbiert, mit 9400 lag sie im Jahr 2007 aber immer noch deutlich über der Zahl der Verkehrstoten (5170). Regionale Unterschiede und räumliche Muster des prozentualen Anteils von Suiziden an den Gesamtsterbefällen macht die jetzt unter online verfügbare Deutschlandkarte des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) sichtbar.

Danach ist eine Abnahme der Suizidhäufigkeit von Ost nach West zu beobachten - mit der Ausnahme Sachsen-Anhalt, das heute die niedrigste Sterblichkeit durch Selbsttötung aufweist. Die höchsten Sterberaten entfallen auf Regionen in Sachsen und Bayern.

"Die Wahrscheinlichkeit eines Suizids hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, zum Beispiel von Geschlecht, Alter, sozialen Kontakten, Depressionen und Suchtkrankheiten", sagt Professor Jürgen Schweikart von der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Besonders auffällig ist die gegenüber Frauen drei Mal höhere Mortalitätsrate bei Männern. Ein deutlicher Zusammenhang besteht außerdem zwischen Familienstand und Suizidwahrscheinlichkeit: Geschiedene nehmen sich häufiger das Leben als Verheiratete, die die niedrigsten Suizid- und Suizidversuchsraten aufweisen. Auch besteht ein signifikanter Zusammenhang mit bestehender Arbeitslosigkeit.

Insgesamt sehen die Autoren Professor Jürgen Schweikart und Nicole Ueberschär noch weiteren Forschungsbedarf, um die räumlichen und zeitlichen Muster der Suizidhäufigkeit besser erklären zu können. Mögliche Ansatzpunkte für konkrete Untersuchungen seien zum Beispiel landes- und altersspezifische Ab- und Zuwanderungen in den vergangenen zehn Jahren.

Den Nationalatlas aktuell finden Sie unter http://aktuell.nationalatlas.de

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