Ärzte Zeitung online, 04.03.2010

Union will freiwillige "Zivi"-Verlängerung

BERLIN (dpa). Die Union plant einem Bericht zufolge, dass Zivildienstleistende ihren Dienst künftig freiwillig um bis zu sechs Monate verlängern können.

Mit diesem Vorschlag wolle die Union auf die Sorgen der Wohlfahrtsverbände eingehen. Diese befürchten erhebliche Probleme, wenn der Wehr- und der Zivildienst wie in der Koalition vereinbart von 2011 an nur noch sechs Monate betragen wird, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstagausgabe). Die FDP lehne den Vorstoß aber ab. Sie vermute hinter den Plänen der Union den Versuch, den Zivil- und damit auch den Wehrdienst zu stärken. Die FDP hingegen will den Wehrdienst langfristig abschaffen.

Schon vor drei Wochen hatte die Union angedeutet dass man über eine freiwillige "Zivi"-Verlängerung nachdenke - den Zeitraum aber offen gelassen. Bei einer reduzierten Wehrpflicht lohne sich für viele soziale Organisationen die Ausbildung von Zivildienstleistenden nicht mehr, hatte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich gesagt. Für eine Verlängerung des Zivildienstes auf freiwilliger Basis müsse aber auch Geld im Haushalt zur Verfügung gestellt werden, betonte er.

Im Koalitionsvertrag hatten Union und FDP vereinbart, den Wehrdienst von neun auf sechs Monate zu verkürzen, die Dauer des Zivildiensts soll entsprechend angepasst werden. Die führenden Wohlfahrtsverbände hatten daraufhin angekündigt, sie seien angesichts einer oft mehrmonatigen Einarbeitungszeit kaum mehr in der Lage, die Arbeit mit den Zivildienstleistenden gewinnbringend durchzuführen.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bundesamts für den Zivildienst rund 90 550 Kriegsdienstverweigerer zum Zivildienst einberufen, 5450 mehr als im Vorjahr. Zum Jahresbeginn 2010 wurden 3811 junge Männer einberufen. Damit gehen dem Amt zufolge derzeit mehr als 76 300 Zivildienstleistende bundesweit vor allem sozialen oder ökologischen Tätigkeiten nach.

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