Ärzte Zeitung, 08.04.2010
 

Kommentar

Der Alkoholsucht wirksam begegnen

Von Thomas Hommel

"Was ist hier los, was ist passiert? Ich hab‘ bloß meine Nerven massiert." Der Refrain von Herbert Grönemeyers Ohrwurm "Alkohol" aus dem Jahr 1984 umschreibt treffend ein Problem, das in Deutschland seit Jahren bekannt ist und auf das die Gesellschaft bislang keine wirklich zufriedenstellende Antwort gefunden hat: die Sucht nach Alkohol. Streng medizinisch gesehen fängt das Problem schon bei einem oder zwei Glas Bier am Tag an - richtig ernst wird es freilich dann, wenn daraus ein schädigender Konsum wird, der nicht mehr eingestellt wird, weil er nicht eingestellt werden kann.

In Deutschland ist das - so vorsichtige Schätzungen - bei immerhin zwei Millionen Menschen der Fall. Ihnen könnte geholfen werden. Nirgendwo sonst gibt es so viele Beratungsstellen für Suchterkrankte, so viele Suchttherapeuten wie in Deutschland. Was fehlt, ist eine umfassende Präventionsstrategie, die alle einbezieht - auch die Hersteller von Bier, Schnaps etc. - und die in Schulen und Ausbildungsstätten, in Unternehmen, im Fernsehen und in Kinos und anderen öffentlichen Plätzen aufklärt, ohne dabei zu verklären. Es geht nicht darum, das Gläschen Wein am Abend zu verbieten. Es geht darum, für einen Konsum in Maßen zu werben. Mehr nicht.

Lesen Sie dazu auch:
Deutsche sind Spitze bei Alkohol- und Tabakkonsum

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »