Ärzte Zeitung, 07.04.2010

"Geld allein löst den Landarzt-Mangel nicht"

Gesundheitsminister Rösler entfacht Debatte über attraktivere Arbeitsbedingungen für junge Ärzte

BERLIN (fst). Gesundheitsminister Philipp Rösler sieht seinen Vorschlag für eine Landarztquote nur als Teil eines Maßnahmenbündels. "Geld allein wird das Problem nicht lösen", so Rösler.

"Geld allein löst den Landarzt-Mangel nicht"

Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler © dpa / bildfunk

Rösler hat sich für Anreize bei der Studienplatzvergabe ausgesprochen. Er möchte nicht mehr allein den Numerus clausus zum Entscheidungskriterium machen. Vielmehr solle ein Teil der Studienplätze für diejenigen reserviert werden, die sich verpflichten, später in einer bestimmten Region als Landarzt zu arbeiten. Bereits Mitte März hatte eine Gruppe von Gesundheitspolitikern der Union Vorschläge zur Neugestaltung der Studienzulassung gemacht - damals ohne wahrnehmbares Echo in der Öffentlichkeit. In dem Papier "Vorschläge zur Reform der ärztlichen Versorgung" heißt es unter anderem: "Bei der Zulassung zum Medizinstudium sind Sozialkompetenz und Motivation der Bewerber für den Arztberuf derzeit keine Kriterien. (...) Deshalb schlagen wir vor, zusätzliche Auswahlkriterien für Studienplätze einzuführen." 

Als Beispiel nennen die Abgeordneten das Verfahren der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Dabei gehen neben der Abiturnote die Ergebnisse des Auswahlgesprächs, des fachspezifischen Studierfähigkeitstests sowie Einzelnoten, die über fachspezifische Eignung Auskunft geben, in die Gesamtbewertung ein. "Es freut uns, dass der Minister unsere Vorschläge nun aufgreift", sagte einer der Autoren des Papiers, der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn.

Dass Rösler den absehbaren Ärztemangel "vom Anfang der Misere, nämlich vom Studium her angeht", hält Dr. Frank-Ulrich Montgomery, Vize-Präsident der Bundesärztekammer, für richtig. Es gehe nicht um mehr Medizinstudenten, sondern um attraktivere Arbeitsplätze. Von jährlich etwa 11 000 Studienanfängern für Medizin gingen später nur rund 6500 in die kurative Medizin, sagte Montgomery im "Deutschlandfunk". Er kritisierte die Kommunen in diesem Zusammenhang als "rückschrittlich": "Ich kenne ganz wenige Kommunen, die Infrastrukturhilfen geben. Man denkt nie daran, dass man mit Sachmitteln viel mehr erreichen kann, als mit Geld allein", sagte der BÄK-Vize.

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) bewertete das Instrument einer Landarztquote skeptisch. "Zentralistisch" lasse sich das Problem nicht lösen. Er schlug stattdessen Stipendienprogramme für angehende Hausärzte vor.Uneinheitlich fallen die Reaktionen in der SPD aus. Rösler tummele sich auf Themenfeldern, für die er keine Zuständigkeit habe, kritisierte die SPD-Abgeordnete Carola Reimann. Sie nannte es im "Deutschlandfunk" "extrem kontraproduktiv", dass die Koalition medizinische Versorgungszentren, in denen Ärzte kooperieren, stärker regulieren wolle.

Dagegen begrüßte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Manuela Schwesig eine Vorabquote für angehende Landärzte. Sie werde in der Gesundheitsministerkonferenz Ende Mai einen solchen Antrag vorstellen.

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