Ärzte Zeitung, 07.05.2010

Spielraum für Kreativität

Von Helmut Laschet

Eine immense Fleißarbeit hat das Zentralinstitut der KBV in den letzten Jahren geleistet, um den zukünftigen Bedarf an Ärzten in der ambulanten Versorgung besser zu prognostizieren. Statt starrer, eher zufälliger Verhältniszahlen zwischen Ärzten und zu versorgenden Bürgern werden nun - auch kleinräumig - demografische Entwicklungen abgebildet, die teils sehr unterschiedliche Alterung mit ihren Folgen für die Morbidität erfasst und schließlich die Inanspruchnahme von Ärzten in Abhängigkeit der räumlichen Entfernung zwischen Patientenwohnort und Praxissitz berücksichtigt.

Der Nutzen für junge Ärzte ist evident: Das Modell wird inzwischen zur Niederlassungsberatung eingesetzt; es erscheint tauglich, dem künftigen Praxisinhaber eine solide Planungsgrundlage für seine wirtschaftliche Existenzfähigkeit zu geben.

Aber: Die weitaus bessere Datenlage zum künftigen lokalen Ärztebedarf ist noch kein Garant dafür, dass Unterversorgung vermieden wird.

Hemmnis Nummer eins ist die Immobilität bereits niedergelassener Ärzte (auch bei Überversorgung) und die Neigung junger Ärzte, attraktive Ballungsregionen zu bevorzugen. In Zahlen ausgedrückt, die die KBV hat errechnen lassen: Monatlich 8800 Euro netto mehr müsste ein Arzt verdienen, wenn er sich statt in der Stadt auf dem platten Land niederlassen wollte. Heißt also: Allein auf Honoraranreize zu setzen, wird teuer.

Genauer hingeschaut: Beeinflusst wird das Niederlassungsverhalten von Ärzten von Arbeitsmöglichkeiten des Partners, dem Bildungsangebot für Kinder und nicht zuletzt durch das sozioökonomische und soziokulturelle "Ambiente" einer Region oder auch eines Stadtteils.

Es wäre unsinnig und unrealistisch, wollte man versuchen, diese Gegebenheiten allein mit den der Gesundheitspolitik zur Verfügung stehenden Instrumenten zu kompensieren. Gefragt ist die Verantwortung der Regionalpolitik, also der Länder, Landkreise und Kommunen.

In der Verantwortung der KBV und der KVen liegt es allerdings, Ärzten und auch anderen (!) Akteuren im Gesundheitswesen Spielraum für Organisationsinnovationen zu lassen. Jede Kreativität wird hier benötigt.

Schreiben Sie dem Autor: helmut.laschet@aerztezeitung.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Personaluntergrenzen – eine Milchmädchenrechnung?

Wie lässt sich der Pflegenotstand mindern und wie hilfreich sind dazu Pflegeuntergrenzen? Im Vorfeld des Springer Kongress Pflege, der morgen eröffnet wird, diskutierten Experten bereits heute kontrovers zu diesem Thema. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »