Ärzte Zeitung, 26.05.2010

TV-Kritik

Der Schwarze Peter? Der gehört immer nur den Anderen!

Der Schwarze Peter? Der gehört immer nur den Anderen!

Moderatorin Sandra Maischberger gelang es nicht, dem Mysterium Gesundheitswesen auf den Grund zu gehen. © Sven Simon / imago

"Der Krankenhaus-Kollaps: Patient in Gefahr" - ein Titel, der für halbgare Horror-Thriller stehen könnte oder für Talkshows am späten Abend. Sandra Maischberger versuchte in ihrer Sendung in der ARD erneut, dem Mysterium Gesundheitswesen auf den Grund zu gehen - und verfehlte das Ziel. Schuld daran war sicherlich nicht die Moderatorin, viel eher der Themenmix und die Gesprächsrunde, mit der das Publikum konfrontiert wurde.

Die Botschaften - kaum zu glauben: In deutschen Kliniken werden regelmäßig Ampullen vertauscht, Patienten im Fahrstuhl vergessen und erst nach drei Tagen wieder gefunden oder - wie im Fall des Ehemannes von Ute Schneider - sterben Menschen nach Routine-Operationen. Und zu allem Überfluss wollen Ärzte und Pflegepersonal Fehler nicht zugeben und noch viel mehr Geld als bisher verdienen. Die unsortierten Vorwürfe versuchte Joachim Bovelet, Geschäftsführer der Berliner Vivantes-Kliniken, vehement zu ordnen: "Diese Fehler sind nicht der Alltag." Und Dr. Theodor Windhorst von der Ärztekammer Westfalen-Lippe sprang ihm bei und erklärte, dass das Bewusstsein für Fehler unter den Ärzten wachse.

Außerdem würden Nachtdienste derzeit mit 1,28 Euro pro Stunde bezahlt und so könne man keinen Nachwuchs im Land halten. Die Barmer/GEK-Chefin Birgit Fischer schob den Schwarzen Peter zurück und rechnete vor, wie viel Geld die Kliniken in den vergangenen Jahren zusätzlich erhalten haben.

Doch alle drei setzten sich selten gegen Renate Hartwig durch, die im TV-Programm als "Kämpferin für Patienten" angekündigt wurde und mit ihren Thesen zwei Jahre in Folge das Olympia-Stadion in München gefüllt hat.

Sie präsentierte ihre Sicht auf die "Gesundheitsmafia" so wortgewaltig, dass Kassenchefin Fischer lieber schwieg und Moderatorin Maischberger immer genervter reagierte.

Eine Lösung freilich fand die Runde nicht - bei der Forderung nach mehr Transparenz in Kliniken, bei niedergelassenen Ärzten und natürlich bei Krankenkassen zeigte jeder Experte auf den anderen.

Erkenntnisgewinn nach der Sendung: Viel Palaver in 70 Minuten, viele gegenseitige Vorwürfe, wenig Substanz.

Rebecca Beerheide

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