Ärzte Zeitung, 30.05.2010

Arztnavigator erhält zum Start überwiegend Lob

Hamburgs Gesundheitssenator begrüßt Projekt / KV Hamburg warnt vor zu großen Hoffnungen / Navigator bald auch in Thüringen verfügbar

HAMBURG (di). Der Startschuss für den AOK-Arztnavigator unter www.aok-arztnavi.de ist gefallen. Politik und Verbraucherschützer begrüßen das Vorhaben, die KV Hamburg reagierte verhalten.

"Der AOK-Arztnavigator ist ein Beispiel dafür, wie ein Stück Transparenz auch im Bereich der niedergelassenen Ärzte geschaffen werden kann", sagte Hamburgs Gesundheitssenator Dr. Dietrich Wersich zum Auftakt.

Auch die Verbraucherzentrale Hamburg zeigte Sympathie für das Vorhaben, für das die "Ärzte Zeitung" Medienpartner ist. "Ärzte, Krankenkassen und Patientenorganisationen sollten zusammenarbeiten und zeigen, dass die Bereitschaft, sich bewerten und beurteilen zu lassen, für Ärzte keine Gefahr ist, sondern anerkannt wird - jedenfalls, wenn die Qualität stimmt", sagte Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale. Ziel des Bewertungsportals ist eine seriöse Information der Patienten, die auch den Interessen der Ärzte gerecht wird. "Deshalb haben wir die Kriterien, die das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) der Bundesärztekammer und der KBV für Arztbewertungsportale definiert hat, bei der Entwicklung des Portals berücksichtigt. Mit dem Verzicht auf Freitexte der Patienten und dem Angebot an die Ärzte, ihre Befragungsergebnisse zu kommentieren, gehen wir noch über diese Anforderungen hinaus", sagte Cornelia Prüfer-Storcks von der AOK Rheinland/Hamburg.

Hamburgs KV-Chef Dr. Michael Späth warnte vor falschen Hoffnungen in Zusammenhang mit dem Navigator. "Den besten Arzt werden Sie in diesem Portal nicht finden", sagte Späth. Zugleich räumte die KV aber ein, dass das Portal im Vergleich zu anderen Manipulationen und Denunziationen erschwert. Ärzte haben die Möglichkeit, Bewertungen zu widersprechen oder sperren zu lassen.

Der Navigator soll ab Herbst 2010 von allen Patienten für die Arztsuche genutzt werden können. Nach den Pilotregionen Hamburg und Berlin soll demnächst auch Thüringen folgen. Die Initiatoren - außer der AOK ist dies die Weisse Liste, ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen -, rechnen mit hoher Resonanz.

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