Ärzte Zeitung, 26.07.2010
 

Mehr Mediziner - aber auch mehr Gefahren

Die Bundeswehr hat nicht unbedingt den Ruf, für Mediziner attraktiv zu sein. Neue Zahlen der Bundesregierung belegen nun: Mehr Ärzte zieht es wieder zur Truppe.

Von Rebecca Beerheide

Mehr Mediziner - aber auch mehr Gefahren

Aus der Übung der Sanitätssoldaten kann leicht Ernst werden: Zwar fehlen der Armee inzwischen weniger Ärzte, doch es drohen häufiger Gefechte.

© dpa

BERLIN. Vor einem "massiven" und "unvorhersehbaren Personalverlust" stand die Bundeswehr im Jahr 2008: Über 600 Ärzte fehlten der Truppe, viele wollten so schnell wie möglich weg. Zu unattraktiv, lautete oft das Urteil, veraltete Strukturen oder gar "moderne Leibeigenschaft" und als "an die Wand gefahren" bezeichneten Kritiker den Sanitätsdienst.

Inzwischen hat sich die Situation leicht entspannt - so kann man die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr lesen. Inzwischen fehlten nicht mehr 600, sondern noch rund 350 Sanitätsoffiziere. Grund: "Es konnten trotzt zunehmend schwieriger Rahmenbedingungen deutlich mehr Ärzte aus dem zivilen Arbeitsmarkt für den Dienst in der Bundeswehr gewonnen werden als in den Vorjahren", heißt es in dem Bericht.

Zahlreiche Strukturreformen hätten die Situation verbessert, sagt die Bundesregierung. So erhalten junge Mediziner, deutlich eher eine Zusage für eine Facharztausbildung. Für die Sanitätsdienstanwärter gibt es zusätzlich ein Tutoren- und Mentorensystem, bei dem die Jüngeren unterstützt werden sollen, sich mit dem Streitkräften zu identifizieren. Auch gibt es - befristet bis zum Jahr 2014 - eine Stellenzulage für 1509 Notfallmediziner in Höhe von 600 Euro. Außerdem sollen die fünf Bundeswehrkrankenhäuser unterschiedliche fachliche Schwerpunkte in den jeweiligen Standorten entwickeln.

Trotz der veränderten Einsatzbedingungen kann die Bundeswehr nach eigener Aussage kein gesunkenes Interesse an dem Beruf des Sanitätsoffiziers feststellen, im Gegenteil. Bei Medizin-Kongressen und Job-Börsen, auf denen der Sanitätsdienst über die Arbeit bei der Bundeswehr informiert, gebe es viele Interessierte, so ein Sprecher des Sanitätsdienstes im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Vor allem für junge Mediziner, die auf der Suche nach einer Facharztausbildung sind oder ausgebildete Fachärzte, die eine neue berufliche Orientierung suchen, sei der Sanitätsdienst der Bundeswehr attraktiv.

Viele hätten ein klares Bild vom Einsatz im Ausland, der auf die Mediziner zukommen kann. Besonders seit die Kämpfe auch in den Regionen, in der die Bundeswehr stationiert ist, intensiver werden, sind auch die Mediziner häufiger gefragt. Dabei sei es auch üblich, dass Mediziner, die Mitglied eines beweglichen Arzttrupps werden, an Übungen teilnehmen und sich im Notfall auch Waffen tragen.

In den kommenden Monaten könnte der Einsatz noch schwieriger werden: Militärbeobachter vermuten, dass vor der Parlamentswahl in Afghanistan im Herbst mehr Kämpfe zu erwarten sind. Anfang Juli berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass Ärzte dort verstärkt selbst Ziel der Angriffe werden. Ein Angriff auf Medizinisches Personal ist nach den Genfer Konventionen nicht zulässig. Als Reaktion darauf würden die roten Kreuze auf Sanitätsfahrzeugen inzwischen abgeklebt, um nicht als Zielscheibe bei Angriffen zu dienen.

Lesen Sie dazu auch:
In der Truppe fehlen 350 Ärzte

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