Ärzte Zeitung online, 04.08.2010

Nach Loveparade: "An Sicherheit darf nicht gespart werden"

KÖLN (iss). Als Konsequenz aus der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg fordert der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) verbesserte und verbindliche Qualitätsstandards für Sicherheitsfirmen bei Großveranstaltungen.

"Wir werden Wege finden müssen zu unterbinden, dass an der Sicherheit gespart wird", sagte Jäger bei einer Sondersitzung des Innenausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag.

Der Minister regte an, gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden Richtlinien für die Städte und Gemeinden für die Sicherheitsplanung von Großveranstaltungen zu entwickeln. Er verwies auf eine Forderung der Innenministerkonferenz vom Mai, die Sicherheitsstandards im Sicherheitsgewerbe bundesweit zu verbessern und die Unternehmen zu zertifizieren. Die Zuständigkeit für weitere gesetzliche Regelungen liege beim Bundeswirtschaftsministerium. "Wenn nötig, werden wir hierzu eine Bundesratsinitiative starten", kündigte er an.

Die CDU hatte die Sondersitzung in den Parlamentsferien beantragt. Die Sitzung begann mit einer Schweigeminute für die 21 Todesopfer der Massenpanik am 24. Juli.

Jäger erneuerte seine Vorwürfe gegen Veranstalter der Loveparade und die Stadt Duisburg und nahm gleichzeitig die Polizei in Schutz. Das Unternehmen Lopavent und die Stadt seien für das Sicherheitskonzept verantwortlich gewesen. Erst das Versagen dieses Konzepts habe den Polizeiensatz auf dem Veranstaltungsgelände notwendig gemacht. "Ich werde nicht zulassen, dass die Polizei als Sündenbock für die Fehler und die Versäumnissse anderer herhalten muss", betonte der Minister. Gleichzeitig räumte er ein, dass es auch bei den Einsatzkräften zu Fehlern gekommen sein könnte. Jäger will die Vorwürfe gegen die Polizei lückenlos aufklären lassen.

Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse habe sich Lopavent nicht an das eigene Sicherheitskonzept gehalten, so der Minister. Es deute vieles darauf hin, dass auf der Veranstalterseite "kommerzielle Erwägungen Leitlinie des Handelns" gewesen seien.

Sowohl dem Veranstalter als auch der Stadt Duisburg warf Jäger vor, bei der Aufklärung der Ursachen für die Katastrophe nicht mitzuarbeiten, sondern zu mauern.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »