Ärzte Zeitung online, 09.08.2010

Traumatisierte Menschen warten bis zu ein Jahr lang auf einen ambulanten Therapieplatz

FRANKFURT/MAIN (ine). Einen Engpass in der ambulanten Psychotherapie bei der Versorgung von traumatisierten Menschen sieht Karin Wagner, Leiterin des Trauma- und Opferzentrums in Frankfurt am Main. Wartezeiten von bis zu einem Jahr und länger seien an der Tagesordnung.

Traumatisierte Menschen warten bis zu ein Jahr lang auf einen ambulanten Therapieplatz

Die Wartezeiten bei traumatherapeutisch arbeitenden Psychotherapeuten grenzen teilweise ans Uferlose.

© david harding / fotolia.com

Das Zentrum gibt es seit 2001. Es arbeitet im Auftrag des hessischen Justizministeriums und hat die Aufgabe, Opfern von Straftaten, Katastrophen und anderen traumatischen Ereignissen schnelle Hilfe anzubieten. "Wir beraten auch Menschen nach Verkehrsunfällen oder Suizidversuchen", erläutert Karin Wagner. 511 Ratsuchende waren es im vergangenen Jahr. Tendenz steigend.

Der Verein vermittelt den Betroffenen auch Kontakte zu geeigneten Einrichtungen und Fachleuten. In vielen Fällen entwickelten sich bei den Betroffenen klinisch relevante Traumafolgestörungen, die eine ambulante Psychotherapie notwendig machen. "Wir haben Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet, kürzlich sogar eine aus dem Iran", sagt Karin Wagner. Nicht immer schaffen es die Mitarbeiterinnen - das Team besteht aus einer Pädagogin und zwei Psychologinnen - ihren Klienten einen niedergelassenen traumatherapeutisch arbeitenden Psychotherapeuten zu vermitteln. "Die Wartezeiten grenzen ans Uferlose", sagt Karin Wagner.

Dabei sei es in vielen Fällen wichtig, möglichst früh nach einem traumatisierenden Ereignis, mit einer Therapie zu beginnen. "Gelingt dies, haben die Betroffenen eine bessere Prognose." Karin Wagner appelliert deshalb an alle Psychotherapeuten im Rhein-Main-Gebiet, die freie Kapazitäten und Erfahrungen mit traumatisierten Patienten haben, sich mit dem Traumazentrum in Verbindung zu setzen.

Traumazentrum Frankfurt: 069/21655828 oder info@trauma-undopferzentrum.de

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