Ärzte Zeitung online, 09.08.2010

Zahl der psychischen Erkrankungen steigt bei Jugendlichen deutlich stärker als bei Erwachsenen

KÖLN (iss). Die Zahl der psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, und zwar stärker als in der Gesamtbevölkerung. Darauf macht das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen (LIGA) aufmerksam.

Zahl der psychischen Erkrankungen steigt bei Jugendlichen deutlich stärker als bei Erwachsenen

Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt insgesamt zu - doch bei Jugendlichen sei die Zunahme in den letzten Jahren besorgniserregend, berichten Experten.

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"Die kontinuierliche Zunahme von psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren ist besorgniserregend", heißt es in einem Bericht des LIGA zum Thema. Er konzentriert sich auf Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14. Bei den meisten für diese Gruppe bedeutsamen Diagnosen zeige der Trend sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor nach oben. "Zwar nehmen die Erkrankungsfälle dieser Gruppe auch in der Gesamtbevölkerung zu, doch der Anstieg bei den unter 15-Jährigen fällt deutlich steiler aus", schreibt Rolf Annuß vom Fachbereich "Gesundheitsschutz, Gesundheitsberichterstattung" des LIGA. Weitergehende Analysen und verstärkte Ursachenforschung seien dringend geboten, betont er.

Im den Jahren 2000 bis 2008 ist die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen psychischer und Verhaltensstörungen (ICD-10 F00 bis F99) bei den unter 15-Jährigen um 43 Prozent gewachsen, verglichen mit 26 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Bei den Mädchen ist der Zuwachs mit 54 Prozent stärker als bei den Jungen (37 Prozent). Bei den Jungen ist der Anteil der Betroffenen aber nach wie vor höher. Bei Betrachtung der absoluten Zahlen falle der Anstieg der Erkrankungsraten zwar niedriger aus, das liege aber am Geburtenrückgang, erläutert Annuß.

Bei den ambulanten Behandlungsraten fällt die Zunahme bei Kindern und Jugendlichen mit 14,3 Prozent fast doppelt so hoch aus wie in der Gesamtbevölkerung (7,8 Prozent). Im ambulanten Bereich erfasst der Bericht die Jahre 2005 bis 2008, weil seit 2005 die ambulanten Diagnosedaten der Kassenärztlichen Vereinigungen zur Auswertung zur Verfügung stehen.

Der weitaus überwiegende Teil der Behandlungsfälle sei auf "Entwicklungsstörungen (F80 bis F89)" und "Verhaltens- sowie emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F90 bis F98)" zurückzuführen. "Beide Erkrankungsgruppen haben in den Praxen der niedergelassenen Ärzte in dem relativ kurzen Beobachtungszeitraum zwischen 2005 und 2008 erheblich zugenommen." Der Anstieg betrug 18 Prozent (F80 bis F89) und 22 Prozent (F90 bis F98).

Bei den Entwicklungsstörungen dominieren die Sprachentwicklungsstörungen. Die zweihäufigste Diagnose sind hyperkinetische Störungen. Hier registriert der Bericht eine besorgnisserregende Zunahme. Die Behandlungsraten stiegen von 2005 bis 2008 im ambulanten Bereich um 46 Prozent und im stationären um 35 Prozent. "Häufigkeit und kontinuierliche Zunahme der hyperkinetischen Störungen erfordern vermehrte Anstrengungen bei der Ursachenforschung und bei der frühzeitigen Erkennung der oft verspätet diagnostizierten Erkrankung sowie die Sicherstellung einer kompetenten fachärztlichen Behandlung", schreibt Annuß.

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