Ärzte Zeitung online, 12.08.2010

Unzufrieden mit Gesundheitspolitik - Thüringer Arzt wechselt von Linken zur SPD

ERFURT (rbü). Überraschender Fraktionswechsel in Thüringen: Thomas Hartung, Facharzt für Chirurgie und bislang für die Linken im Landtag, wechselt zur SPD-Fraktion. Der Grund: Er ist mit dem gesundheitspolitischen Kurs der Linken unzufrieden.

Unzufrieden mit Gesundheitspolitik - Thüringer Arzt wechselt von Linken zur SPD

Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie (rechts) erfreut: Der Arzt und Landtagsabgeordnete Thomas Hartung (links) verlässt im Streit die Linkspartei und wechselt zur SPD.

© dpa

Der 39-jährige Abgeordnete aus Weimar gab als Grund "Rufmord" und politische Blockade seitens seiner bisherigen Fraktion an. Dem Wechsel, der mit sofortiger Wirkung am Mittwoch vollzogen wurde, geht ein seit langem schwelender Konflikt voraus.

Vor einem Jahr spaltete sich Hartung im Weimarer Stadtrat von den Linken ab und gründete eine eigene Fraktion. Intern gilt der noch immer praktizierende Facharzt als "Linker unter den Linken", weshalb ihm jetzt Unglaubwürdigkeit vorgeworfen wird.

Hartung selbst begründet seinen Übertritt auch fachlich: Er sehe große Gemeinsamkeiten mit den Positionen von SPD-Gesundheitsministerin Heike Taubert. In der eigenen Fraktion seien wichtige Themen wie der Nichtraucherschutz nicht ausdiskutiert worden.

Hartung wechselt zwar von der Opposition in das Thüringer Regierungsbündnis aus CDU und SPD, an den Machtverhältnissen im Landtag ändert sich dadurch aber nichts. Die Koalition verfügte bereits vorher über eine stabile Mehrheit.

Hartung studierte bis 1998 Medizin an der FSU Jena, promovierte vier Jahre später und arbeitete bis 2007 als Assistenzarzt in der Chirurgischen Klinik des SHK Weimar. Im Herbst 2009 wurde Hartung direkt in den Landtag gewählt und ist seitdem gesundheitspolitischer Sprecher der Links-Fraktion gewesen.

Diese Rolle soll er jetzt auch bei der SPD übernehmen. Im Landtag ist er der einzige Arzt, der zugleich noch eine Praxis betreibt. Hartung ist darüber hinaus erst der zweite Abgeordnete in der Geschichte des Thüringer Landtags, der die Fraktion wechselt. Dies war zuletzt 1992 der Fall.

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