Ärzte Zeitung online, 12.08.2010

Patientenbeauftragter: Ärzte können von Piloten lernen

BERLIN (hom). Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), hat einmal mehr für eine neue Fehlerkultur in der Medizin geworben. Diskussionen über "Behandlungsfehler" lösten noch immer "unterschiedlichste, aber fast immer heftige Reaktionen aus", sagte Zöller am Donnerstag in Berlin.

Patientenbeauftragter: Ärzte können von Piloten lernen

Über den Wolken gehört das Abarbeiten von Checklisten zum Alltag - der Patientenbeauftragte der Bundesregierung glaubt, Ärzte könnten davon lernen.

© blickwinkel / imago

"Die einen haben Angst vor unnötigem Leid und die anderen vor dem Pranger." Deshalb sei eine Fehlerkultur überfällig, die es Ärzten und Pflegenden möglich mache, offen über eigene Fehler zu reden. "Denn man muss Fehler nicht erst selber machen, um aus ihnen zu lernen. Hierfür benötigen wir jedoch mehr Informationen über die Schwachstellen in Behandlungsabläufen. Denn nur mit diesem Wissen können wir lernen, die Wiederholung von Fehlern zukünftig zu vermeiden."

Wo es um Leben und Tod gehe, müsse das Fehlerrisiko so weit wie möglich gesenkt werden, betonte Zöller. Nach Berechnungen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit sterben in deutschen Krankenhäusern jedes Jahr rund 17 000 Menschen an den Folgen von so genannten "unerwünschten Ereignissen". Dies seien dreimal so viel Tote wie im Straßenverkehr, so der Patientenbeauftragte.

Als hilfreich und vorbildhaft stufte der CSU-Politiker das vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Niedersachen gemeinsam mit der KKH-Allianz ins Leben gerufene "Patientensicherheitsprogramm" ein.

Bei dem speziell für Kliniken entwickelten Programm werden Sicherheitsstandards aus der Luftfahrt in den OP-Bereich übertragen und kritische Situationen bereits im Vorfeld trainiert. Das Programm richtet sich sowohl an Klinikärzte wie auch an Pflegekräfte. Zöller rief Kliniken, Ärzte und andere Beteiligte dazu auf, das Programm nachzuahmen.

Der Chef der KKH-Allianz, Ingo Kailuweit, sagte, Luftfahrt und Medizin hätten identische Fehlerquellen. Deshalb würden Piloten und Mediziner bei dem Projekt gemeinsam das OP-Personal schulen.

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