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Ärzte Zeitung, 22.08.2010

Rösler fordert mehr Toleranz für psychisch Erkrankte

Jeder dritte bis vierte Deutsche erleidet im Laufe seines Lebens eine psychische Erkrankung. Doch die meisten verdrängen sie, auch aus der Angst vor einer Stigmatisierung in der Öffentlichkeit. Nun hat das Aktionsbündnis für seelische Gesundheit einen Bericht über Maßnahmen zur Entstigmatisierung vorgelegt. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler forderte ein Klima der Toleranz.

Rösler fordert mehr Toleranz für psychisch Erkrankte

Viele Betroffene von psychischen Erkrankungen fühlen sich mit ihrer Krankheit allein gelassen oder kapseln sich ab. Rösler fordert mehr Toleranz in der Gesellschaft.

© Ella / fotolia.com

BERLIN (eb). Das Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit hat am Sonntag den Abschlussbericht einer Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen vorgelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte die Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Grundlage für die evidenzbasierte Weiterentwicklung entsprechender Interventionen zu schaffen.

Jeder dritte bis vierte Deutsche erleide im Laufe des Lebens eine psychische Erkrankung. Aber noch immer verdrängten viele Betroffene aus Scham und Angst vor negativen Reaktionen ihrer Umwelt die Beschwerden. Dadurch gerieten sie in die Gefahr der Chronifizierung oder gar eines späteren Suizids.

"Psychische Erkrankungen werden auch heute noch in unserer Gesellschaft tabuisiert. Betroffene erleben nicht selten Ablehnung und Ausgrenzung, insbesondere am Arbeitsplatz oder in der Schule, aber auch in Familien oder im Freundeskreis", sagte Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler nach einer Pressemitteilung des BMG.

Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen müssten effektiv zu einem gesellschaftlichen Klima der Toleranz und des Verständnisses für psychisch erkrankte Menschen beitragen. Die Studie des Aktionsbündnisses liefere eine gute Datengrundlage für die Planung und Steuerung zukünftiger Maßnahmen der verschiedenen Akteure.

In Deutschland und auch weltweit gibt es bereits zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Stigmas psychischer Krankheiten. Den Autoren der Studie zufolge sind Interventionen vor allem dann wirksam, wenn sie neben der Aufklärung über psychische Erkrankungen interaktiven Kontakt zu Betroffenen einschließen.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine Initiative zur Förderung der seelischen Gesundheit. Unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministers beteiligen sich über 60 Bündnispartner an dem bundesweiten Netzwerk, darunter Experten der Psychiatrie und Gesundheitsförderung, Betroffene und ihre Angehörigen. Das Bündnis will der breiten Öffentlichkeit vermitteln, dass psychische Störungen therapierbare und gerade bei frühzeitiger Behandlung auch heilbare Erkrankungen sind, die jede und jeden betreffen können.

Es fördert den Austausch der beteiligten Akteure, informiert über die Chancen der Früherkennung und Prävention und ermuntert Menschen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und fördert so die Möglichkeiten der sozialen und beruflichen Integration von psychisch erkrankten Menschen und die gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen und ihren Familien.

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