Ärzte Zeitung, 26.08.2010

Zahnärzte sind oft erste Anlaufstelle für Gewaltopfer

Das hessische Familienministerium unterstützt ein Projekt, das Handlungsoptionen von Zahnärzten verbessern soll.

Zahnärzte sind oft erste Anlaufstelle für Gewaltopfer

Viele Zahnärzte fühlen sich im Umgang mit Gewaltopfern unsicher. Abhilfe soll das Pilotprojekt "ZuGang" in Hessen schaffen.

© Jana Lumley / fotolia.com

WIESBADEN (ine). Ein neues Pilotprojekt namens "ZuGang" soll es Zahnärzten in Hessen erleichtern, Folgen von häuslicher Gewalt zu erkennen und zu dokumentieren. Die Hochschule Fulda hat dazu spezielle Dokumentationsbögen und Handlungsempfehlungen erstellt.

Zahnärzte und Kieferchirurgen sind häufig erste Anlaufstelle für Opfer häuslicher Gewalt. In Deutschland wird etwa jede dritte Frau zwischen 16 und 85 Jahren einmal in ihrem Leben Opfer einer Gewalttat - Täter sind häufig Partner oder Ex-Partner.

Studien zeigen, dass 88 bis 94 Prozent der Opfer Verletzungen im Gesicht und Kopfbereich aufweisen. Die zahnärztliche Praxis kann am ehesten die erste Anlaufstelle für Gewaltbetroffene sein, weil Schäden im Kiefer- und Zahnbereich nicht unbehandelt ausheilen. Viele Zahnärzte fühlen sich jedoch im Umgang mit Gewaltopfern unsicher.

Nach Angaben der Hochschule Fulda werden nur 60 bis 70 Prozent der auf häusliche Gewalt zurückzuführenden Verletzungen vom zahnmedizinischen Personal dokumentiert. Zudem seien die Dokumentationen oftmals nicht gerichtsverwertbar. Dem will das neue Projekt abhelfen. Zum Servicepaket gehört die Dent-Doc-Card. Sie wurde drei Monate lang in Notfallambulanzen und in der zahnärztlichen Notaufnahme des Universitätsklinikums Frankfurt/Main auf ihre Praxistauglichkeit und Anwendbarkeit getestet.

Sie gibt Zahnärzten einen kurzen Überblick, wie sie Verletzungen erkennen und so dokumentieren, dass die Aufzeichnungen vor jedem Gericht standhalten. Die Karte gibt darüber hinaus auch Tipps, wie man Patienten bei Verdacht auf häusliche Gewalt am besten anspricht. Die Dent-Doc-Card soll in den nächsten Wochen an alle hessischen Zahnkliniken und auch in Praxen verteilt werden. Einführungsveranstaltungen für die Mitarbeiter sind ebenfalls geplant.

Die Infomaterialien können auf der Website des Ministeriums für Arbeit, Familie und Gesundheit in Wiesbaden heruntergeladen werden.

www.hmafg.hessen.de

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