Ärzte Zeitung, 20.09.2010
 

Deutsche Kurorte befürchten Statusverlust

Viele Kurorte in Deutschland sind in ihrer Existenz bedroht. Es gibt zunehmend weniger genehmigte Kuren, und die Zahl der Kurärzte sinkt rasant.

Deutsche Kurorte befürchten Statusverlust

Zur Reha ab in die Kur? Das kommt immer seltener vor.

© Jochen Tack / imago

DORTMUND (iss). Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) ist die kurärztliche Verwaltungsstelle für die ganze Bundesrepublik, sie rechnet die Leistungen aller Kurärzte ab. "Wir sehen alarmierende Zeichen", sagt der KVWL-Vorstand Dr. Wolfgang-Axel Dryden mit Blick auf die Zukunftsperspektiven von Kurorten und Kurärzten.

Die Zahl der Behandlungsfälle ist von 229 725 im Jahr 2000 auf 94 355 im vergangenen Jahr gesunken. 2010 werden nur noch 84 920 Fälle erwartet. Immer weniger Kuren werden von den Kassen bewilligt.

Bei jedem Ablehnungsbescheid gebe es einen Hinweis der Krankenkasse, dass zunächst die Mittel vor Ort ausgeschöpft werden müssen, berichtete Dryden bei der Vertreterversammlung. "Das ist ein Antrag der Krankenkassen auf eine hohe Verordnung von Heilmitteln."

Folgen die Niedergelassenen der Aufforderung, drohen ihnen Richtgrößenverfahren, kritisierte er. Die Zahl der Kurärzte ist von 2000 bis Mitte 2010 von 1579 auf 1024 gesunken. "Von diesen ist ein Drittel mehr als 60 Jahre alt und wird in den nächsten fünf Jahren aus der Versorgung verschwinden", sagte der KVWL-Vorstand.

Die Kurorte bekommen dadurch gravierende Probleme. Denn sie verlieren ihren Status, wenn nicht mindestens zwei Kurärzte dort tätig sind. Nach Angaben Drydens fallen von aktuell 369 Kurorten bis 2015 auf Grund der Altersstruktur 68 weg, das sind mehr als 18 Prozent. "Wir haben schon Ermächtigungen ausgesprochen, damit Kurorte ihren Status behalten können."

In 188 der verbleibenden 301 Orte sind nur noch ein bis zwei Kurärzte tätig. "Beenden sie die Zulassung, fallen diese Orte weg."

Der Nachwuchsmangel in der Kurmedizin sei nicht nur auf die strukturellen Veränderungen zurückzuführen, betonte Dryden. Ein Grund seien auch Änderungen der Weiterbildungsordnung, die den Erwerb der Kurarztbezeichnung erschwert haben.

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