Ärzte Zeitung, 20.09.2010

Alles - bloß nicht Hausarzt werden

KBV-Umfrage: Besonders drohende Regresse halten Nachwuchsärzte von einer Niederlassung ab

BERLIN (sun). Nachwuchsmediziner empfinden die Möglichkeit, sich als Hausarzt niederzulassen, als unattraktiv. Das belegt die Umfrage von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Medizinischen Fakultätentag und Universität Trier an deutschen Medizinfakultäten.

Alles - bloß nicht Hausarzt werden

Nachwuchs für die Medizin: Sich als Hausarzt niederzulassen, kommt für die meisten aber nicht infrage.

© momentphoto / imago

Demnach können sich lediglich 38 Prozent der nächsten Medizinergeneration vorstellen, als Hausarzt in eigener Praxis tätig zu sein. "Attraktiver ist hingegen eine Niederlassung als Facharzt", sagte Dr. Rüdiger Jacob, Akademischer Direktor an der Universität Trier, anlässlich der Vorstellung der Umfrageergebnisse am Montag in Berlin. 75 Prozent der etwa 12 000 befragten Medizinstudenten konnten sich vorstellen, später eine Facharztpraxis zu eröffnen.

50 Prozent der angehenden Ärzte erklärten, dass drohende Regressforderungen von Krankenkassen eine Niederlassung unattraktiv machten. "Die KBV fordert schon lange, dass Regresse wegfallen müssen", betonte KBV-Vize Carl-Heinz Müller. Es dürfe nicht sein, dass das finanzielle Risiko von Arzneimittelverschreibungen Medizinstudenten von vornherein von der Niederlassung abhalte.

Derweil belegten die Umfrageergebnisse, dass Studierende hoch motiviert aus der Universität entlassen werden. Im niedergelassenen Bereich fänden sie aber nicht die Strukturen vor, die sie bevorzugten: So fehle oftmals die Möglichkeit, im Team arbeiten zu können, betonte Müller. Auch gebe es häufig nicht die Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Lesen Sie dazu auch:
Hausarztpraxis ist für Studenten keine Option

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Für Studenten Schnee von gestern

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spermien auf Dope

Vielleicht sollten besser ältere als jüngere Männer kiffen: Cannabis scheint die Fruchtbarkeit zu mindern, aber vor Prostatakrebs zu schützen. mehr »

Mit Mikroben gegen Asthma

Künftige Asthma-Therapien könnten neben Antikörpern auch Mechanismen der körpereigenen Entzündungshemmung nutzen – oder Helicobacter pylori. mehr »

Ein Nigerianer und ein Serbe sichern die Versorgung im Norden

Lunden ist gelungen, woran andere Regionen scheitern: In einer kommunalen Eigeneinrichtung sichern zwei Ärzte ab Mai die Versorgung. mehr »