Ärzte Zeitung, 07.10.2010

Bundesgesundheitsministerium warnt vor einem Mangel an Fachärzten

Widmann-Mauz: "Dürfen Augen nicht verschließen"

BERLIN (hom). Nach Ansicht von Gesundheits-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz droht Deutschland nicht nur ein Engpass bei Allgemeinmedizinern. Auch bei den Fachärzten sei ein "erheblicher Mangel" zu befürchten, sagte die CDU-Politikerin bei einer Veranstaltung der KV Baden-Württemberg in Berlin.

Bundesgesundheitsministerium warnt vor einem Mangel an Fachärzten

Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz.

© dpa

Fachmediziner wie beispielsweise Augen- oder Nervenärzte würden künftig schon deshalb gebraucht, weil die Zahl älterer, mehrfach erkrankter Patienten steige, sagte Widmann-Mauz. Daher dürfe die Politik die Frage des Zugangs der Menschen zur fachärztlichen Versorgung nicht aus den Augen verlieren. Engpässe drohten vor allem in ländlichen Regionen. Aber auch Ballungszentren wie Berlin hätten "Schwierigkeiten", da sich die Ärzte dort nicht gleichmäßig auf die Bezirke verteilten. Grundlegendes Problem sei, dass viele der praktizierenden Ärzte demnächst in den Ruhestand gingen. "So wie die Bevölkerung altert, altert auch die Ärzteschaft."

Angehenden Medizinern müssten mehr Anreize gesetzt werden, damit sie sich auf dem Land mit einer Praxis niederlassen. Dazu gehöre neben dem Abbau von Bürokratie auch die Entschärfung der Regressdrohung. Hohe Fallzahlen einer Praxis dürften nicht mehr zur Benachteiligung in der Vergütung führen, so Widmann-Mauz.

Die Honorarreform für die Vertragsärzte wolle die Koalition einer "kritischen Prüfung" unterziehen. Ziel sei es, die Vergütungssystematik "einfacher und verständlicher" zu machen. Bei der Bedarfsplanung gehe es primär darum, diese "kleinräumiger" zu gestalten. Der Amtschef im baden-württembergischen Sozialministerium, Thomas Halder, forderte einen stärkeren Einfluss der Länder auf die Bedarfsplanung

Lesen Sie dazu auch:
Länder wollen stärkeren Einfluss bei Bedarfsplanung

[09.10.2010, 23:44:19]
Dr. Reiner Blessing 
Auf den Facharzt-Mangel werden wir noch lange warten müssen-
solange nicht wenige Kollegen für ein Butterbrot (Quartals-Pauschale von 15-30 Euro) bis weit in das 7.Lebensjahrzehnt hinein arbeiten , werden wir mit der aktuellen Facharzt-Schwemme leben müssen. Und die ärztliche Alters-Armut zwingt die Kollegen, trotz hoher Risiken ( Klagewut dt.Patienten, arztfeindl. Justiz) im Beruf zu bleiben und zu malochen. So sorgt die aktuelle Ärzteschwemme für ihre Persistenz. Dem Nachwuchs ist dringend anzuraten, sich auf das Ausland zu konzentrieren.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »