Ärzte Zeitung online, 17.10.2010

Klebeschinken und Analogkäse: Aigner will Internet-Pranger

BERLIN (eb). Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) plant offenbar, mit einem "Internet-Pranger" gegen falsch gekennzeichnete Lebensmittel vorzugehen. Eine solche Website soll bereits im Frühjahr online gehen, sagte sie der "Bild am Sonntag".

Klebeschinken und Analogkäse: Aigner will Internet-Pranger

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU): "Die Verbraucher müssen mit der Wahrheit bedient werden."

© dpa

"Wir müssen dem Etikettenschwindel Einhalt gebieten", begründete die Ministerin ihren Vorstoß. Auf der Internetseite sollen dem Bericht zufolge Verbraucher Produkte melden können, die nach ihrer Meinung nicht das beinhalten, was sie versprechen.

Diese Berichte sollen dann von Verbraucherschützern geprüft werden. Die betroffenen Hersteller sollen Stellungnahmen dazu abgeben können. Aigner: "Ich will den Dialog zwischen Verbraucher und Wirtschaft ausbauen."

Die Hersteller äußerten sich gegenüber der Zeitung skeptisch. "Es besteht die Gefahr, dass diese Plattform mehr Verunsicherung als Klarheit schafft", sagte Kai Falk vom Handelsverband Deutschland.

Auch der Herstellerverband BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde) stellte sich gegen den Vorschlag. Das Portal "könnte einzelne Firmen und Produkte zu Unrecht in Verruf bringen", warnte der Hauptgeschäftsführer des BLL, Professor Matthias Horst.

Aigner konterte den Widerstand: "Lebensmittelproduzenten müssen einsehen, dass es ein Irrweg ist, jede technische Neuerung zur Täuschung zu missbrauchen." Klebeschinken und Analogkäse seien die jüngsten Beispiele dafür. Die Verbraucher müssten mit der Wahrheit bedient werden.

Lesen Sie dazu auch:
FDP lehnt "Rote Liste" für Etikettenschwindel ab

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