Ärzte Zeitung online, 20.10.2010
 

Charité erforscht Medizinerausbildung

BERLIN (eb). Die Berliner Charité erforscht als erste deutsche medizinische Fakultät die Ausbildung von angehenden Ärzten. Startschuss dafür war am Mittwoch die offizielle Eröffnung des neuen Fachzentrums für medizinische Hochschullehre und Ausbildungsforschung.

Die Einrichtung soll nach dem Willen der Charité zügig zu einem bundesweiten Referenzzentrum für die medizinische Lehre werden. Von Beginn an sollen Expertengruppen gebildet werden, denen auch Mitglieder anderer medizinischer Fakultäten angehören.

"Trotz intensiver Bemühungen steckt die medizinische Ausbildungsforschung hierzulande noch in den Kinderschuhen", sagte die Dekanin Professor Annette Grüters-Kieslich. Sie hat gemeinsam mit Prodekan Professor Manfres Gross das Zentrum initiiert. Grüters-Kieslich forderte: "Wir brauchen eine neue Qualitätskultur in der medizinischen Lehre."

Für die Leitung des Fachzentrums wurde eine eigene Professur geschaffen. Die Stelle mit der Bezeichnung "Curriculumsentwicklung und Ausbildungsforschung in der Medizin" soll demnächst besetzt werden. Insgesamt werden an dem Zentrum 48 Mitarbeitern arbeiten, die in zehn Kompetenzbereichen Ausbildungsforschung betreiben.

Als zentralen Arbeitsschwerpunkt wollen die Forscher Konzepte für eine "evidenzbasierte Weiterentwicklung der Lehrpläne" entwickeln. Daraus sollen fakultätsübergreifende Angebote zur Förderung der Lehrkompetenz entstehen.

Bereits zum Start des Zentrums hat die Charité führende Medizindidaktiker für den wissenschaftlichen Beirat gewinnen können. Dazu gehören Elizabeth Armstrong, Professorin für Pädiatrie an der Harvard Medical School, Professor Thomas Viggiano von der Mayo Medical School und Professor Eckhart Hahn, Vorsitzender der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung.

Gefördert wird der Aufbau des Fachzentrums im Rahmen der Initiative "Bologna - Zukunft der Lehre" von der Stiftung Mercator und der Volkswagen-Stiftung. Die Charité hatte sich bei diesem Wettbewerb unter 180 Anträgen durchgesetzt und wird nun mit rund 900 000 Euro gefördert.

Das Fachzentrum ist nach dem im letzten Jahr verstorbenen Professor Dieter Scheffner benannt. Scheffner war Pionier des 1999 ins Leben gerufenen Reformstudiengangs Medizin an der Charité. Er hat sich für die Verbesserung der Lehre in der Medizin eingesetzt und maßgeblich zur Novellierung der ärztlichen Approbationsordnung beigetragen hat.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »

Sechs Kassen auf der Kippe – Barmer-Chef fordert Reformen

Dramatischer Zwischenruf: Das wirtschaftliche Gefüge der GKV sei instabil, sagt Barmer Chef Straub. Rund ein halbes Dutzend großer Kassen würden nur noch von der guten Konjunktur getragen. mehr »