Ärzte Zeitung online, 29.10.2010

Termin- und Leistungsdruck setzt immer mehr Bundesbürgern kräftig zu

BERLIN (hom). Psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Dies geht aus einer aktuellen Analyse von Mitarbeiterbefragungen durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) hervor, die am Freitag in Berlin vorgelegt wurde.

Termin- und Leistungsdruck setzt immer mehr Bundesbürgern kräftig zu

Stress am Kopierer: Die Belastung am Arbeitsplatz setzt immer mehr Berufstätigen zu. Psychische Erkrankungen sind die Folge.

© Arne Pastoor / fotolia.com

Der WidO-Studie liegen Aussagen von rund 30 000 Beschäftigten aus 147 Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen sämtlicher Wirtschaftszweige zugrunde. Der Analyse zufolge klagt mittlerweile jeder vierte Beschäftigte in Deutschland über häufige Kopfschmerzen und Schlafstörungen. 30 Prozent der Befragten nennen den ständigen Termin- und Leistungsdruck als Ursache.

"Zwar spielt die Belastung durch schwere körperliche Arbeit nach wie vor eine große Rolle", erläuterte Studienautor Klaus Zok vom WIdO. "Aber sieben von zehn am meisten genannte Belastungen beziehen sich auf psychische Faktoren", sagte der Experte.

Häufig handele es sich um eine Kombination verschiedener Belastungen, die mit besonderen Risiken für die Gesundheit der Arbeitnehmer verbunden sei, so Zok. "Aus den uns vorliegenden Daten geht klar hervor, dass jeder Zweite die zehn häufigsten gesundheitlichen Probleme mit seinem Arbeitsplatz in Verbindung bringt." Das gelte insbesondere für Beschwerden wie Rückenschmerzen, Stresssymptome oder aber Befindlichkeitsstörungen wie Reizbarkeit, Nervosität und Unruhe.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Beschäftigte aus der Gesundheits- und Sozialbranche, im Handel oder im privaten Dienstleistungssektor fühlen sich deutlich stärkeren Belastungen ausgesetzt als Mitarbeiter, die im öffentlichen Sektor oder in Verwaltungsberufen tätig sind.

Kürzlich erst war Deutschlands erster "Männergesundheitsbericht" zu dem Ergebnis gekommen, dass Männer immer häufiger an psychischen Erkankungen leiden - nicht zuletzt wegen eines hohen Leistungsdrucks am Arbeitsplatz.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte sich in diesem Zusammenhang kritisch über die noch immer vorherrschende "Präsenzkultur" in Unternehmen geäußert, bei der die Leistungsfähigkeit von Männern und Frauen vor allem daran gemessen werde, "wie lange sie hinter dem Schreibtisch sitzen".

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