Ärzte Zeitung, 18.11.2010

Kommentar

Kein Raum für Interpretationen

Von Rebecca Beerheide

Ist der Ärztemangel eine berufspolitische Klage, für die nur die Statistik umgedeutet werden muss? Die Kassen, die einen Ärztemangel schon lange als Hirngespinst der Ärztevertreter abtun, bekommen Schützenhilfe von den Universitäten. Denn auch der Medizinische Fakultätentag will beim Nachwuchsmangel nicht in die Rolle des Schuldigen gedrängt werden.

Und so wehren sich die Unis und rechnen die Abgängerzahlen von KBV, Bundesärztekammer und dem Statistischen Bundesamt nach. Von den Studenten, die 1997 ihr Studium aufnahmen, beendeten laut KBV und BÄK bis zum Jahr 2003 an jeder der 36 Fakultäten rund 75 junge Menschen das Studium nicht. Laut Fakultätentag sollen es pro Uni nur rund 52 Abbrecher gewesen sein.

Lassen sich aus diesen Zahlen schon dramatische Schlüsse ziehen?

Wer nun Recht hat, muss in der Tiefe der Statistik gesucht werden. Hilfreich ist der Zahlenstreit nicht.

Will man auf bundespolitischer Ebene über die Zukunft der Versorgung, eine neue Bedarfsplanung und Lösungen für den Mangel an Landärzten verhandeln, sollten Zahlen vorliegen, die keinen Interpretationsspielraum offen lassen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
"Ärztemangel gibt's nicht und wird es auch nicht geben"

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