Ärzte Zeitung, 21.11.2010

Grüne setzen auf mehr Kooperation in der Medizin

Grüne setzen auf mehr Kooperation in der Medizin

Abstimmung beim Grünen-Parteitag am Sonntag in Freiburg: Die hausärztliche Versorgung soll gestärkt werden.

© dpa

FREIBURG (HL). Kontinuität in den strukturellen Vorstellungen zur Gestaltung des Gesundheitswesens - ein kompletter Umbau der Finanzierung hin zu einer Bürgerversicherung - das sind die bestimmenden Elemente des Grundsatzbeschlusses des Grünen-Parteitages am Sonntag zur Gesundheitspolitik.

"Unser Ziel ist eine vernetzte Gesundheitsversorgung, bei der Einzel- und Gemeinschaftspraxen, Gesundheitszentren, ambulante Pflegedienste sowie ländliche Krankenhäuser zusammenarbeiten... Auch telemedizinische Verfahren und neue Informationstechnologien können die Behandlungsqualität gerade älterer Menschen verbessern", heißt es in dem Beschluss.

Zentrale Bedeutung soll die Aufwertung und Weiterentwicklung der hausärztlichen Versorgung haben. Hausarztverträge seien dazu ein Beitrag. Dies müsse mit einer Reform der Vergütung einhergehen. Dabei solle vor allem auch der langfristige Erfolg ärztlicher Leistung belohnt werden. Die Allgemeinmedizin müsse im Studium gestärkt werden, auch durch eine größere Anzahl von Lehrstühlen. Notwendig sei ferner eine sektorübergreifende Bedarfsplanung.

Das Konzept der grünen Bürgerversicherung mit einer Beitragsbemessungsgrenze von 5500 Euro würde zu einer massiven Zusatzbelastung für Besserverdienende führen - bei unverändertem Beitragssatz bis zu 234 Euro monatlich. Zwar seien verfassungsrechtlich geschützte Ansprüche der Privatversicherten zu berücksichtigen. Deshalb seien Übergangsmodelle notwendig, wobei darauf geachtet werden müsse, dass umgehend eine Beteiligung aller Bürger am Solidarausgleich stattfindet. Die Ausgestaltung des Solidarausgleichs zwischen GKV, PKV und anderen Sonderversicherungssystemen wie etwa auch die Beihilfe für Beamte lassen die Grünen offen.

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