Ärzte Zeitung, 03.12.2010

Der Standpunkt

Raus aus dem Schatten!

Von Rebecca Beerheide

Raus aus dem Schatten!

Rebecca Beerheide ist Redakteurin für das Ressort Gesundheitspolitik der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihr: rebecca.beerheide@springer.com

Für rund sechs Millionen Menschen in Deutschland ist der Zugang zur medizinischen Versorgung erschwert. Erwachsene Menschen mit Behinderung haben faktisch keine freie Arztwahl - das ist ein Skandal. Signale, die Situation zu verbessern, sind bei Kassen, Selbstverwaltung und Gesundheitspolitikern dürftig:

Bei Anfragen gibt es knappe allgemeine Antworten, oftmals keine Rückrufe oder die Antwort: "Ja, da müssen wir etwas tun" - nur wann, dazu wird geschwiegen.

Die problematische Versorgungssituation war ein großes Thema beim Ärztetag 2009 in Mainz, jetzt ist es schon fast vergessen. Das ist ärgerlich: Denn 2004 hat der Gesetzgeber den Paragraf 2a ins SGB V geschrieben, der besagt, dass den Belangen von Menschen mit Behinderung mehr Beachtung geschenkt werden muss.

Auch völkerrechtlich hat sich Deutschland dazu verpflichtet - 2008 wurde die UN-Behindertenkonvention ratifiziert. Darin wurde erstmals Behinderung nicht als medizinischer, sondern sozialer Faktor definiert. Artikel 25 soll den gleichen Zugang zur medizinischen Versorgung garantieren.

Der Beschluss des Ärztetages 2010 in Dresden, analog zum Netz der Sozialpädiatrischen Zentren nun eine Struktur aufzubauen, in der Erwachsene betreut werden, läuft aber komplett konträr zur Idee der UN-Konvention.Trotzdem fühlt sich bislang keiner zuständig.

Die Ärztevertreter richten Appelle an Kollegen, verweisen auf die Kassen und verlangen eine bessere Vergütung für den Mehraufwand. Kassen sehen diesen aber bereits durch die Regelleistungsvolumina abgegolten.

Und so werden Patienten, aber auch Ärzte alleine gelassen. Sicherlich sind viele Ärzte grundsätzlich bereit, Menschen mit Behinderung in ihrer Praxis zu versorgen - gäbe es mehr Zeit, mehr Erfahrung und weniger Angst. Angst, dass sich nicht-behinderte Patienten unwohl fühlen könnten. Zeit für die Versorgung, denn oft dauert die Anamnese deutlich länger, Multimorbiditäten müssen beachtet und die Therapie darauf abgestimmt werden.

Doch die Schwierigkeiten sollten niemanden davon abhalten, sich für eine bessere Versorgung einzusetzen. Menschen mit Behinderung brauchen die Unterstützung derer, die das Privileg haben, gesund zu sein.

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Teilhabe am öffentlichen Leben gefordert

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