Ärzte Zeitung online, 28.12.2010

Jugendliche saufen sich immer öfter ins Krankenhaus

HAMBURG (dpa). Immer mehr Jugendliche trinken, bis der Arzt kommt. Einen besonders hohen Anstieg beim sogenannten Komasaufen gab es nach Zahlen der Krankenkasse DAK im Jahr 2009 in Rheinland-Pfalz mit 1664 Fällen (plus 11 Prozent zu 2008) und Niedersachsen mit 2685 Fällen (plus 10,3 Prozent zu 2008).

In Berlin kamen 408 Kinder und Jugendliche nach Alkoholmissbrauch in ein Krankenhaus, das war ein Zuwachs von sechs Prozent. In einigen Ländern haben sich die Fälle innerhalb von zehn Jahren annähernd verdoppelt. Für das Jahr 2010 liegen noch keine Zahlen vor.

Die DAK bezieht sich auf Zahlen der Statistischen Landesämter für die Gruppe der Zehn- bis 20-Jährigen; es liegen aber noch nicht für alle Länder Daten vor.

"Suchtkarrieren beginnen in der Regel mit Alkohol oder Nikotin", sagte der DAK-Psychologe Frank Meiners der Nachrichtenagentur dpa. Der allzu sorglose Umgang vieler junger Menschen mit den legalen Drogen Bier, Schnaps oder Wein müsse stärker als bisher in Schulen und Betrieben thematisiert werden. "Exzessives Trinken ist kein Ausweg, um Anforderungen in Job oder Schule auszugleichen."

In Nordrhein-Westfalen mussten 2009 sieben Prozent mehr Jugendliche volltrunken stationär aufgenommen werden als im Vorjahr - insgesamt 6578. In Bayern (5316 Fälle, plus 3,5 Prozent) und Baden-Württemberg (4028 Fälle, plus 1,7 Prozent) verlief die Entwicklung weniger dramatisch. In allen genannten Ländern bedeuteten die Zuwächse gleichzeitig auch Höchststände.

Insgesamt sind mehr Jungen als Mädchen betroffen und die Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen ist stärker vertreten als die jüngeren Kinder. Im Vergleich zu 2003 haben aber die Jüngeren und auch die Mädchen überproportional zugelegt. "Die aktuellen Zahlen sind alarmierend", sagte der DAK-Landeschef in Rheinland-Pfalz, Michael Hübner. "Wir müssen das Thema dringend auf den Stundenplan setzen."

Pressemitteilung der DAK

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Es fehlen bis zu 6000 Medizin-Studienplätze pro Jahr

Wenn nicht schnell viele zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden, könnte das Versorgungsniveau bis 2035 dramatisch sinken, hat das Zi ausgerechnet. Bei der Rechnung gibt es allerdings eine große Unbekannte. mehr »

Dienstbelastungen die Spitze genommen – eine Zeitenwende?

Eine bessere Arbeitszeitgestaltung sorgt für mehr Planungssicherheit: MB-Chef Rudolf Henke lobt das Verhandlungsergebnis mit den Arbeitgeberverbänden. mehr »

Was ist bei Brustkrebs „Therapiefortschritt“?

Die Versorgung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs steht zwischen evidenzbasierter Medizin und Nutzenbewertung durch GBA und IQWiG. Die Sinnhaftigkeit neuer Therapien wird dabei mit unterschiedlichen Messinstrumenten geprüft, so Prof. Christian Jackisch aus Offenbach. mehr »