Ärzte Zeitung, 31.01.2011

NRW will ein Frühwarnsystem bei Keiminfektionen

DÜSSELDORF (acg). Die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) fordert den Aufbau eines flächendeckenden Frühwarnsystems für multiresistente Keime.

NRW will ein Frühwarnsystem bei Keiminfektionen

NRW-Gesundheitsministerin Steffens: "Die Akteure haben ein starkes Eigeninteresse, multiresistenten Keime in den Griff zu bekommen."

© Sonja Werner

In NRW hätten Infektionen durch diese Erreger in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagte sie bei der Vorstellung des "Aktionsplans Hygiene" in Düsseldorf. "Wir haben allerdings keine genauen Zahlen darüber und wissen auch nicht, wie in den Krankenhäusern im Ernstfall reagiert wird."

Formal müsse jede Klinik in NRW einen Hygienebeauftragten haben. "Es kommt aber darauf an, was diese vor Ort unternehmen, um Infektionen zu vermeiden."

Wichtig sei es deshalb, dass alle Akteure aus dem Gesundheitswesen zusammenarbeiteten. Steffen hält die Einrichtung von Hygienebeauftragten auch in Einrichtungen der ambulanten und pflegerischen Versorgung für denkbar.

Eine obligatorische Meldepflicht für Kliniken, wenn Infektionen auftreten, hält die Politikerin allerdings nicht für erforderlich. "Die Akteure haben ein starkes Eigeninteresse, multiresistenten Keimen vorzubeugen und das Problem in den Griff zu bekommen", sagte sie.

Eine Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern seien Screenings vor der stationären Aufnahme der Patienten, so die Ministerin.

"Die Untersuchungen sind nicht aufwändig und werden bereits bei gefährdeten Personen durchgeführt", sagte sie. Die Ergebnisse könnten die Kliniken dann an die Pflegeeinrichtung weitergeben oder umgekehrt.

Eine Schwierigkeit sieht sie im Umgang mit bereits infizierten Patienten. "Die Erhöhung der Zahl an Isolierbetten bedeutet für die Kliniken steigende Kosten", sagte sie. "Manche infizierte Patienten sind auch zu schwach, um die Keime bekämpfen zu können."

Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) hat sich bereit erklärt, an dem Aktionsplan teilzunehmen. "Die Sicherheit der Patienten sowie die Minimierung von Infektionsrisiken hat für alle nordrhein-westfälischen Kliniken oberste Priorität", sagte Dr. Hans Rossels, Präsident der KGNW.

"Die KGNW bekräftigt ihre Bereitschaft, gemeinsam mit den Akteuren des Gesundheitswesens den Schutz der Patientinnen und Patienten vor Krankheitserregern zu verbessern."

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