Ärzte Zeitung online, 16.02.2011

Union will Maklerprovision in der PKV deckeln

Hohe Provisionszahlungen an Vermittler von privaten Krankenversicherungen haben jetzt die Politik auf den Plan gerufen. Die Union plant, die Provisionen künftig per Gesetz zu deckeln. Einen Entwurf gibt es bereits.

Union will Maklerprovision in der PKV deckeln

Privatversichert in der Nierenschale: Die Provisionen für Makler sollen nach dem Willen der Union gedeckelt werden.

© Stefan Germer / fotolia.com

KÖLN (hf). Die Unionsfraktion im Bundestag will ausufernde Provisionen beim Abschluss privater Krankenversicherungen (PKV) per Gesetz eindämmen. "Da werden Kunden von manchen Maklern abgezockt", sagte der gesundheitspolitische Sprecher Jens Spahn.

Die CDU/CSU will Zahlungen an Vermittler auf neun bis zwölf Monatsbeiträge begrenzen. Außerdem sollen Vermittler Provisionen, die sie erhalten haben, bis zu fünf Jahre nach einem Abschluss zurückzahlen, falls der Kunde kündigt.

Bisher gilt meist eine Haftung von zwei Jahren oder weniger. Spahn und seine Kollegin Karin Maag haben bereits einen Gesetzentwurf formuliert. Heute kassieren Vermittler mitunter 14 bis 18 Monatsbeiträge Provision, wenn sie Kunden für eine private Krankenversicherung gewinnen.

Angestachelt von der starken Konkurrenz und hohen Einnahmen vermitteln gerade große Vertriebe zudem jüngere PKV-Kunden oftmals nach zwei Jahren gern an einen neuen Versicherer - um dann erneut Provisionen zu kassieren. Dem würde die längere Haftungszeit von fünf Jahren bei den Provisionen entgegenwirken.

Auch die Finanzaufsicht BaFin sieht die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung. Sie hatte zuletzt angekündigt, sie wolle Versicherer prüfen, wenn sie mehr als neun Monatsbeiträge zahlen.

Die FDP reagierte zurückhaltend. Man müsse sich erst in der Koalition abstimmen, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Ulrike Flach. Allerdings gebe es "große Ungereimtheiten" bei den PKV-Provisionen.

Die Branche weiß um die Missstände, unternimmt aber nichts - die Firmen fürchten Kartellvorwürfe. Deshalb wollte sich der PKV-Verband auch nicht zu den CDU-Plänen äußern.

Die meisten Versicherer sind einverstanden mit einer fünfjährigen Haftung für die Vermittler, eine starke Minderheit lehnt aber die gesetzliche Deckelung der Provisionshöhe ab.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »