Ärzte Zeitung, 17.03.2011

Saarlands Minister lädt nicht mehr zur Vorsorge ein

Minister lädt nicht mehr zur Vorsorge ein

Flächendeckende schriftliche Einladungen zur Vorsorge-Koloskopie haben die Teilnahmeraten im Saarland steigen lassen. Jetzt ist damit aber erst einmal Schluss.

Von Andreas Kindel

SAARBRÜCKEN. Das Engagement des Saarlandes im Kampf gegen den Darmkrebs hat zumindest vorläufig einen Dämpfer erhalten. Erstmals seit 2008 werden in diesem Jahr die über 55-Jährigen nicht mehr flächendeckend angeschrieben, damit sie an den Vorsorge-Koloskopien teilnehmen. Das hat der saarländische Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) bekannt gegeben.

Der Grund: Das bisher bundesweit einmalige Einladungswesen für die Darmkrebs-Vorsorge war ein Modellprojekt, das jetzt ausgelaufen ist. Seit 2008 waren mehr als 28 000 Saarländer über 55 Jahren vom saarländischen Gesundheitsminister angeschrieben worden, damit sie an den Koloskopien teilnehmen.

Wie Gesundheitsminister Weisweiler jetzt in Saarbrücken berichtete, ist die Beteiligung seit 2003 deutlich gestiegen - bei den Frauen auf 22,2 Prozent, bei den Männern auf 20,5 Prozent. Bundesweit hätten nur 18,9 Prozent der Frauen und 17,1 Prozent der Männer die Vorsorge-Koloskopien genutzt. Bis 2013 hoffe man, dass im Saarland sogar fast jeder Dritte bei dem Darmkrebs-Vorsorge-Programm mitmacht.

Trotz der guten Erfahrungen im Saarland scheint eine bundesweite Einführung des Einladungswesens noch in weiter Ferne. Wie es hieß, gibt es in den Ländern zum Beispiel unterschiedliche Ansichten, woher die Adressdaten für die Einladungen kommen sollen - ob etwa von Meldeämtern oder von den KVen. Außerdem gehe es auch um Finanzfragen. Denn die Beschaffung der Adressdaten koste Geld.

Um das Einladungswesen an der Saar fortzusetzen, hat das Land jetzt erstmal beim Bundesgesundheitsministerium ein neues Modellprojekt beantragt. Noch in diesem Jahre rechnet man mit einer Entscheidung. "Künftig möchten wir auch die 50 bis 55-Jährigen in die Vorsorge mit einbeziehen", erläutert die Leiterin des saarländischen Krebsregisters, Christa Stegmaier. Dazu wolle man für einen Stuhl-Test werben.

Trotz der Schwierigkeiten beim Einladungswesen hat das saarländische Gesundheitsministerium jetzt zum achten Mal die Kampagne "Saarland gegen Darmkrebs" gestartet. Dafür wurden rund 45.000 Flyer gedruckt und 2000 Info-Pakete an Arzt-Praxen, Apotheken und Gemeindeverwaltungen verschickt.

Im ganzen Land gibt es Veranstaltungen in Praxen, Kliniken, Fußgängerzonen und Baumärkten. Im Großraum Saarbrücken fährt das ganze Jahr außerdem ein Linienbus mit Werbung für die Darmkrebs-Vorsorge.

Die Koloskopien werden in 28 gastroenterologischen und internistischen Praxen sowie den Knappschaftskliniken im Saarland vorgenommen. Parallel dazu soll eine neue Studie mit dem Titel "Kollosal II" erarbeitet werden.

"Dabei soll die Komplikationsrate bei den Vorsorge-Koloskopien ermittelt werden", erläutert der Vorsitzende des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen im Saarland, Dr. Thomas Stolz. Man gehe bislang von einer Komplikationsrate von unter einem Prozent aus. Um zu überprüfen, ob diese Annahme stimmt, sollen die Patienten nun vier Wochen nach ihrer Vorsorge-Koloskopie einen Fragebogen ausfüllen.

Noch mehr Werbung für die Darmkrebs-Kampagne will das Gesundheitsministerium bei den Unternehmen machen. Im vergangenen Jahr hatten sich von 850 angeschriebenen Betrieben nur rund 70 an den Aktionen beteiligt.

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